Gelingt Deutschland der Sprung in den UN-Sicherheitsrat für die kommenden zwei Jahre? Klar ist, dass es ein knappes Rennen wird. Und eine Niederlage auch auf den Kanzler zurückfallen dürfte.
Tag der Entscheidung: Deutschland stellt sich heute in New York der hart umkämpften Wahl für einen Sitz im mächtigsten Gremium der Vereinten Nationen. Die Mitglieder der UN-Generalversammlung stimmen darüber ab, ob Deutschland 2027 und 2028 einen Sitz im Sicherheitsrat der Weltorganisation bekommt. Erwartet wird ein knappes Rennen. Deutschland steht eine Kampfabstimmung bevor, weil auch die EU-Partner Österreich und Portugal in den Rat wollen, der Gruppe der «Westeuropäische und andere Staaten» aber nur zwei freie Sitze zustehen.
Ein Sitz in dem Gremium verspricht mehr internationales Gewicht und Einfluss. Der Rat gilt als blockiert, weil die fünf Vetomächte - China, Russland, USA, Frankreich und Großbritannien - bei vielen Konflikten gegensätzliche Interessen verfolgen und Beschlüsse verhindern können. Es bleibt aber das einzige UN-Gremium, das völkerrechtlich bindende Beschlüsse fassen kann.
Gelingt Deutschland die siebte Wahl in den UN-Sicherheitsrat?
Um künftig mit am Tisch der fünf ständigen und der zehn gewählten Mitglieder in Sicherheitsrat zu sitzen, wird eine Zweidrittelmehrheit der abgegebenen Stimmen im UN-Plenum benötigt. Das entspricht derzeit - sofern alle abstimmen - 128 der insgesamt 193 Mitglieder, da Afghanistan und Venezuela laut Diplomaten aktuell nicht stimmberechtigt sind. Die Bundesrepublik saß bereits sechsmal als nicht ständiges Mitglied im mächtigsten UN-Gremium und ist laut Diplomaten bisher bei keiner Wahl gescheitert.
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) nimmt für Deutschland an der Abstimmung teil. Weil die Wahl alles andere als ausgemacht ist, ist er seit Freitag in New York, um bis zur letzten Minute um Zustimmung zu werben. Deutschland hat seine Kandidatur deutlich später als die Mitbewerber bekanntgegeben. Das Buhlen um Stimmen zieht sich oft über Jahre, weil damit häufig langfristige Absprachen - etwa zum Stimmtausch bei anderen entscheidenden Abstimmungen - einhergehen.
Deutschland ist nach den USA, China und Japan der größte Geldgeber mit Blick auf die Mitgliedsbeiträge. Rechnet man das Budget für Blauhelm-Missionen und freiwillige Zahlungen dazu, sind sie die Nummer zwei.
Sollte Deutschland scheitern, wäre dies auch ein Rückschlag für die Bemühungen von Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Wadephul, bei der Lösung von Kriegen und Konflikten eine größere Rolle zu spielen. Merz hatte am Dienstag in Berlin gesagt: «Wir haben alles in unserer Kraft Stehende getan, auch der Bundesaußenminister, auch ich persönlich, viele Kabinettskollegen, um es möglich zu machen, dass wir die Zustimmung der Generalversammlung der Vereinten Nationen bekommen.» Deutschland habe die Zustimmung von vielen Staaten der Welt bekommen und werde auch von vielen europäischen und nichteuropäischen Staaten unterstützt.
Wadephul versuchte, Zweifel am deutschen Einsatz für das Völkerrecht zu zerstreuen. «Wir haben immer das Völkerrecht klar verteidigt und werden das auch in Zukunft mit großer Konsequenz machen», sagte er vor Journalisten auf dem UN-Gelände. Er sei fest überzeugt, dass Deutschland den Sicherheitsrat als auch die UN «insgesamt stärker und handlungsfähiger machen kann».