Auch die EU-Außenbeauftragte Kallas zeigte Unverständnis für Ungarns Position. «Wir sollten Dinge, die überhaupt nichts miteinander zu tun haben, nicht miteinander verknüpfen», sagte Kallas. Sie konnte nach dem Treffen nur verkünden, dass man beschlossen habe, weitere Personen wegen Menschenrechtsverletzungen in Russland mit Sanktionen zu belegen und die russische Vertretung bei der EU künftig auf 40 Mitarbeiter zu begrenzen.
EU will bis zu 90 Milliarden Euro an Ukraine überweisen
Für die EU ist die Lage äußerst unangenehm. Sie will mit den ursprünglich geplanten Sanktionen und den neuen Finanzhilfen eigentlich ein klares Zeichen an Kremlchef Wladimir Putin senden, dass sie den Abwehrkampf der Ukraine weiter entschlossen unterstützen wird.
Der Darlehensplan sieht vor, der Ukraine bis Ende 2027 bis zu 90 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. 60 Milliarden davon sind für verteidigungsrelevante Ausgaben vorgesehen. Die Ukraine soll das Geld nur zurückzahlen müssen, wenn Russland nach einem Ende seines Angriffskriegs Entschädigungszahlungen für die entstandenen Schäden leistet. Zudem ist vorgesehen, in der EU eingefrorene russische Vermögenswerte für die Rückzahlung heranzuziehen, falls Moskau für Kriegsschäden keine Entschädigung leistet.
Zusage von Ungarn stand bereits
Besonders ärgerlich für die EU ist die Blockade, weil Ungarn gemeinsam mit Tschechien und der Slowakei bereits im vergangenen Jahr ausgehandelt hatte, nicht an den EU-Kosten für das Ukraine-Darlehen beteiligt zu werden. Ungarns Außenminister Szijjarto machte allerdings am Rande des Außenministertreffens einmal mehr deutlich, dass ihm das ziemlich egal ist.
Auf einem auf seiner Facebook-Seite veröffentlichten Video, das während des Flugs zum Treffen der EU-Außenminister in Brüssel entstand, sagte er zu dem Streit über die Öllieferungen: «Es wird ein großer Kampf werden, alle werden nach unserem Blut verlangen, aber so ist es eben.» Man stelle sich diesem Kampf, «weil niemand Ungarn auf die Schippe nehmen darf». Niemand dürfe die Energiesicherheit des Landes gefährden.
In Brüssel wird unterdessen auch befürchtet, dass der Konflikt von Orban auch für dessen aktuellen Wahlkampf instrumentalisiert wird. Bereits in der vergangenen Woche hatte Orban ohne jegliche Belege behauptet, dass die Ukraine daran interessiert sei, dass er die am 12. April geplante Parlamentswahl verliere. Deswegen wolle Kiew mit der Blockade der Druschba-Pipeline dafür sorgen, dass in Ungarn die Heizkosten steigen.
Zudem behauptete er, es gebe Beweise dafür, dass die Oppositionspartei Tisza «von der Ukraine finanziert» sei. Die Ukraine, die EU und Deutschland hätten bei der jüngsten Sicherheitskonferenz in München einen «geheimen Pakt» geschlossen, der auf seine Entmachtung abziele, sagte Orban weiter, ebenfalls ohne dafür irgendwelche Beweise vorzulegen.