Für den Einsatz von 2001 bis 2021 habe Deutschland einen hohen Preis bezahlt. «59 Soldaten und drei Polizisten sind in Gefechten, durch Anschläge oder Unfälle ums Leben gekommen. Zahlreiche Verwundete leiden bis heute unter den Verletzungen aus dieser Zeit», sagte Pistorius.
Meloni: «Freundschaft erfordert Respekt»
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kritisierte Trump. Solche herabwürdigenden Aussagen seien «nicht akzeptabel - insbesondere dann, wenn sie von einer verbündeten Nation stammen», hieß es in einer Mitteilung des Amtssitzes der Regierungschefin.
Meloni erklärte, die Nato habe nach den islamistischen Terroranschlägen vom 11. September 2001 in einem «außergewöhnlichen Akt der Solidarität gegenüber den USA» zum einzigen Mal in ihrer Geschichte Artikel Fünf des Nato-Vertrags aktiviert. Italien habe unverzüglich reagiert und Tausende Soldaten entsandt. Ihr Land habe mit Dutzenden gefallenen Soldaten einen hohen Preis gezahlt.
Sie betonte zwar, Italien und die USA seien durch eine solide, auf gemeinsamen Werten basierende Freundschaft verbunden. «Doch Freundschaft erfordert Respekt - eine grundlegende Voraussetzung, um weiter die Solidarität zu gewährleisten, die das Fundament des Atlantischen Bündnisses bildet.»
Unverständnis in den Niederlanden
Der niederländische Außenminister David van Weel sagte der Nachrichtenagentur ANP, mit seinen nicht der Wahrheit entsprechenden Äußerungen über den Einsatz von Soldaten anderer Nato-Länder in Afghanistan habe sich der US-Präsident «respektlos» verhalten. Er wies auf die 25 niederländischen Soldaten hin, die in Afghanistan ums Leben gekommen waren. Auch aus dem Umfeld des französischen Staatschefs Emmanuel Macron hieß es, die Aussagen seien inakzeptabel.
«America First» gilt für Trump auch in der Nato
Trumps Äußerungen folgten auf ereignisreiche Tage im Konflikt um das vom US-Präsidenten beanspruchte Grönland. Die Äußerungen aus den USA, die zum Königreich Dänemark gehörende Insel zum Zweck der eigenen Sicherheit übernehmen zu müssen, hatte die Nato vor eine harte Zerreißprobe gestellt. Nach einem Gespräch mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte deeskalierte Trump die Lage zunächst - im Gespräch ist nun eine Einigung, deren Form aber noch völlig offen scheint. Beigelegt ist der Konflikt nicht.
Die Bemühungen des US-Präsidenten, den Einsatz anderer Staaten zur Unterstützung der Vereinigten Staaten herunterzuspielen, passen zu seinem generellen Kurs mit Blick auf die Nato. Den Willen, das Engagement im Verteidigungsbündnis im Vergleich zum Schutz des eigenen «Heimatlandes» kleinzuhalten, verdeutlichte die US-Regierung auch mit der Veröffentlichung der neusten nationalen Verteidigungsstrategie. In dieser ist festgehalten, dass die Verbündeten in Europa bei Bedrohungen die Führung übernehmen sollten, die für sie schwerwiegender seien als für die USA - «mit entscheidender, aber begrenzter Unterstützung der Vereinigten Staaten», heißt es in dem Leitfaden.
Es sei weder die Pflicht noch liege es im nationalen Interesse Amerikas, weltweit im Alleingang zu agieren oder für «sicherheitspolitische Versäumnisse von Verbündeten» einzustehen, die auf «unverantwortliche Entscheidungen» ihrer Regierungen zurückgingen, schreibt Verteidigungsminister Pete Hegseth im Vorwort der Strategie. Trump hatte immer wieder beklagt, dass die Verbündeten im Vergleich zu den USA nicht genug für die Nato bezahlten.
Widerspruch auch aus Dänemark und Polen
Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen sagte der Nachrichtenagentur Ritzau zufolge, es sei «nicht hinnehmbar», dass der US-Präsident die Bemühungen verbündeter Soldaten infrage stelle. Frederiksen betonte demnach, dass Dänemark gemessen an der Bevölkerungszahl die größten Verluste erlitten habe: Laut Ritzau kamen 44 dänische Soldaten ums Leben, 37 davon infolge direkter Kampfeinsätze.
Polens Präsident Karol Nawrocki schrieb auf der Plattform X, es bestehe kein Zweifel daran, dass polnische Soldaten Helden seien. 44 Polen seien in Afghanistan gefallen, 43 Soldaten und ein Zivilist.