Trump kritisiert Spanien vor laufenden Kameras scharf, Merz bleibt im Weißen Haus zunächst still. Spaniens Außenminister fordert mehr Zusammenhalt. Außenminister Wadephul betont Solidarität in der EU.
Das Schweigen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angesichts der harschen Kritik von US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus an Spaniens Widerstand gegen den Iran-Krieg hat die Regierung in Madrid verärgert. Diplomatisch höflich formulierte Spaniens Außenminister José Manuel Albares, er habe Deutschland seine «Überraschung» über die mangelnde Solidarität des Bundeskanzlers übermittelt.
Außenminister Johann Wadephul betonte, die EU-Mitgliedsländer stünden zusammen und würden sich nicht auseinanderdividieren lassen. «Und wir lassen auch nicht zu, dass ein einzelner Mitgliedsstaat wettbewerbsrechtlich oder beim Marktzugang bedroht wird», sagte der CDU-Politiker nach einer Sitzung des Ostseerats in Warschau. Er ergänzte: «Wir stehen in der Europäischen Union zusammen. Und das gilt auch für Spanien ganz selbstverständlich.» Es habe von amerikanischer Seite Vorwürfe gegeben, diese habe Merz aber auch mit Trump besprochen.
Spanien ist innerhalb der EU einer der schärfsten Kritiker von Trumps Politik und setzt sich deutlich von dem eher auf Schadenbegrenzung bedachten Kurs anderer europäischer Staats- und Regierungschefs wie etwa Merz ab.
Sánchez zog Groll Trumps schon öfter auf sich
Der linke Regierungschef Pedro Sánchez bezweifelt, ob die Angriffe auf den Iran vom Völkerrecht gedeckt sind und verbot deshalb die Nutzung spanischer Militärbasen durch das US-Militär für Einsätze gegen den Iran.
Er hatte sich in der Vergangenheit schon wiederholt mit Trump angelegt, indem er die Erhöhung der Militärausgaben auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts ablehnte, US-Techkonzerne an die Kandare legen will oder die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro kritisierte.
Merz ließ Trumps Attacken zunächst unerwidert
Trump hatte bei dem Treffen mit Merz am Dienstag im Weißen Haus in Washington harte Kritik an den Regierungen in Madrid und London geübt. «Einige europäische Länder wie Spanien haben sich schrecklich verhalten», sagte er mit Blick auf die US-Angriffe auf den Iran. «Spanien hat tatsächlich gesagt, dass wir ihre Stützpunkte nicht nutzen dürfen», beschwerte sich Trump.
«Sie waren unfreundlich.» Und deshalb habe er seinen Finanzminister Scott Bessent angewiesen, «alle Deals» mit Madrid einzustellen. Welche Abkommen Trump meinte, blieb zunächst unklar. Vor laufenden Kameras ging Merz im Weißen Haus nicht auf die Angriffe Trumps ein.