Später trat der Kanzler der Drohung Trumps entgegen, die Wirtschaftsbeziehungen zu Spanien zu kappen. Mit Blick auf den US-Zollkonflikt mit der EU betonte er, Spanien sei Mitglied der EU. «Und als solches führen wir Verhandlungen über ein Zollabkommen mit den USA nur gemeinsam oder gar nicht», stellte Merz klar.
Regierungssprecher Stefan Kornelius sagte am Mittwoch in Berlin auf eine Frage nach Merz' Verhalten in Washington: «Der Kanzler hat im Oval Office zu Spanien nicht reagiert und hat anschließend im Gespräch - wie er das selbst gestern anschließend mitgeteilt hat - diese Situation noch mal aufgegriffen und eine Klarstellung gemacht.»
Sánchez warnt vor Naivität
Diese Äußerungen wurden in spanischen Medien als Versuch des Kanzlers gewertet, sein anfängliches Schweigen gegenüber Trump zu korrigieren. Sánchez erwähnte Merz zwar nicht direkt, sagte aber, es sei «naiv zu glauben, dass blinder und unterwürfiger Gehorsam Führung bedeutet».
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der die Angriffe gegen den Iran ebenfalls als nicht vom Völkerrecht gedeckt sieht, sicherte Spanien in einem Telefonat mit Sánchez die «europäische Solidarität Frankreichs» zu.
Die EU warnte Trump davor, Spanien mit einem Handelsembargo zu belegen. «Wir stehen in voller Solidarität mit allen Mitgliedstaaten und ihren Bürgerinnen und Bürgern und sind im Rahmen unserer gemeinsamen Handelspolitik bereit zu handeln, falls dies erforderlich ist, um die Interessen der EU zu wahren», sagte ein Sprecher der EU-Kommission von Ursula von der Leyen. Man erwarte, dass sich die USA an die Handelsabsprachen hielten.
Klarstellung auch von Spanien: Keine Militärkooperation mit den USA
Angaben von US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt, Spanien habe sich nun doch bereit erklärt, mit dem US-Militär zusammenzuarbeiten, dementierte Madrid umgehend. «Die Position der spanischen Regierung hinsichtlich des Krieges im Nahen Osten, der Bombardierungen des Irans und der Nutzung unserer Basen hat sich nicht verändert. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie sie darauf kommt», sagte Albares.
Starmer tut Trump-Kritik als nebensächlich ab
Der britische Premier Keir Starmer bemühte sich bei der wöchentlichen Fragestunde im Parlament in London, die beißende Kritik Trumps vom Vortag als nebensächlich abzutun. Für den innenpolitisch schwer angeschlagenen Starmer ist der Iran-Krieg heikel. Das liegt vor allem daran, dass die Briten dem früheren Labour-Premier Tony Blair noch heute nachtragen, den USA 2003 in den Irak-Krieg gefolgt zu sein. Die Invasion gilt in Großbritannien inzwischen als Desaster.