In Israel wird Ende Oktober ein neues Parlament gewählt. Der Wahlkampf im Land beeinflusst die Lage in anderen Krisenregionen. Im Westjordanland etwa heizen rechte Kräfte die Spannungen an.
In Israel beginnt vor der Parlamentswahl am 27. Oktober die heiße Phase des Wahlkampfs. Laut Umfragen könnte es sowohl für das Lager des amtierenden Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu als auch für die Opposition schwierig werden, eine Mehrheit zu sichern. Im Land gibt es deshalb bereits scharfe Auseinandersetzungen. Doch der Wahlkampf wirkt sich auch darüber hinaus auf Konflikte in der Region aus. Ein Überblick:
Gewalt im Westjordanland nimmt zu
Rechtsextreme Regierungsmitglieder wie Polizeiminister Itamar Ben-Gvir und Finanzminister Bezalel Smotrich streben schon lange eine Annexion des von Israel besetzten Westjordanlands an. Beobachter sehen vor der Wahl die Gefahr, dass einige Akteure eine Eskalation der Lage in dem Palästinensergebiet wollen, um diesem Ziel näherzukommen. «Denn sollte eine neue Regierung gewählt werden, ist es unwahrscheinlich, dass radikale Siedler weiter so unterstützt werden wie aktuell», sagt die Politik-Dozentin an der Universität Bar Ilan bei Tel Aviv, Ilana Shpaizman.
Laut Shpaizman fühlen sich israelische Gewalttäter im besetzten Westjordanland derzeit geradezu immun. Kritiker werfen dem israelischen Militär vor, nicht entschlossen genug gegen Siedlergewalt vorzugehen. Der frühere Leiter der Abteilung für palästinensische Angelegenheiten bei Israels Militärgeheimdienst, Michael Milshtein, geht davon aus, dass Israels Sicherheitskräften vermittelt wurde, in diesen Fällen nichts zu unternehmen. Er fürchtet, dass bewaffnete Auseinandersetzungen und «der Siedlerterror» mit dem Näherrücken der Wahl zunehmen werden.
Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Dort leben heute inmitten von drei Millionen Palästinensern mehr als 700.000 israelische Siedler.
Aktuell treibt Netanjahus rechtsreligiöse Regierung trotz internationaler Kritik Siedlungsprojekte wie die umstrittene Bebauung des sogenannten E1-Gebiets zwischen Ost-Jerusalem und der Siedlung Maale Adumim voran. Dadurch würde das Westjordanland faktisch in einen nördlichen und einen südlichen Teil aufgespalten. Die Schaffung eines zusammenhängenden palästinensischen Territoriums und damit die Verwirklichung einer künftigen Zweistaatenlösung würde damit womöglich unmöglich gemacht.
Die israelische Organisation Peace Now kritisierte jüngst, die Regierung versuche vor der Wahl Verträge mit Bauunternehmen zu schließen, um es einer künftigen Regierung schwerzumachen, das Siedlungsprojekt zu stoppen.
Gadi Eisenkot, der nach Meinungsumfragen stärkste Rivale Netanjahus bei der anstehenden Wahl, sprach sich zuletzt gegen das Vorhaben und Siedlergewalt, aber auch gegen eine Zweistaatenlösung aus. Expertin Schpaizman geht dennoch davon aus, dass eine neue Regierung zumindest die Anarchie im Westjordanland beenden würde.