Wer sorgt künftig für die Sicherheit der Ukraine, wenn die Waffen schweigen sollten? Viele Staaten wollen helfen - in der Ukraine oder von außen. Auch Berlin gibt seine bisherige Zurückhaltung auf.
Die internationale Schutztruppe zur militärischen Absicherung eines möglichen Waffenstillstands in der Ukraine nimmt Form an. Bei einem Treffen der sogenannten Koalition der Willigen in Paris unterzeichneten Frankreich, Großbritannien und die Ukraine eine Erklärung, die dem Einsatz ausländischer Truppen in dem angegriffenen Land eine Grundlage gibt. Bei einem weiteren Treffen in Paris am Mittwoch zwischen Außenminister Johann Wadephul und seinen Amtskollegen aus Frankreich und Polen soll es ebenfalls um die Unterstützung der von Russland angegriffenen Ukraine gehen.
Für Deutschland stellte Bundeskanzler Friedrich Merz am Dienstag erstmals die Beteiligung der Bundeswehr an einer Friedenssicherung in Aussicht - nicht in der Ukraine selbst, aber auf Nato-Boden nahe der Grenze. Der britische Premier Keir Starmer sprach bereits von einem Einsatz britischer und französischer Streitkräfte auf ukrainischem Boden nach einem Waffenstillstand. Ein grundsätzliches Problem der europäischen Planungen bleibt: Moskau lehnt ausländische Truppen, vor allem aus Nato-Staaten, in der Ukraine strikt ab.
An den Beratungen in Paris waren Vertreter aus 35 Ländern beteiligt, darunter 27 Staats- und Regierungschefs. Auch der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj und Nato-Chef Mark Rutte nahmen an dem Gipfel teil. Für die USA kamen der US-Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner, Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump.
Paris und London wollen Truppen in die Ukraine schicken
Starmer erklärte zu seiner Ankündigung, Ziel sei es, «den ukrainischen Luft- und Seeraum zu sichern und die ukrainischen Streitkräfte für die Zukunft wiederaufzubauen.» Auch weitere Verbündete wollen demnach ihre Einheiten in die Ukraine entsenden.
Dabei geht es nicht um einen Einsatz an der künftigen Waffenstillstandslinie. Diese sollte den Planungen zufolge von den USA mit technischen Mitteln aus der Ferne überwacht werden. Die ausländischen Truppen sollten im Rückraum oder außerhalb der Ukraine bei der Regenerierung der ukrainischen Armee helfen und zur Abschreckung beitragen. Neben Deutschland erklärten sich auch Spanien und Belgien zu solchen Missionen bereit.
Merz stellt deutsche Beteiligung in Aussicht
Merz knüpfte eine Beteiligung der Bundeswehr an klare Vereinbarungen für einen Waffenstillstand. «Deutschland wird sich weiter politisch, finanziell und eben auch militärisch einbringen. Dazu kann zum Beispiel gehören, dass wir nach einem Waffenstillstand Kräfte für die Ukraine auf benachbartem Nato-Gebiet einmelden», sagte der CDU-Politiker in Paris. An die Ukraine grenzen die Nato-Staaten Polen, Rumänien, Ungarn und die Slowakei. Diese Länder kämen also als Einsatzorte infrage.
Über Art und Umfang eines deutschen Beitrages müssen Bundesregierung und Bundestag entscheiden, sobald Bedingungen dafür geklärt seien, sagte Merz. «Ich will für mich sagen und auch für die Bundesregierung: Wir schließen dabei grundsätzlich nichts aus.» Das bedeutet, dass auch eine Entsendung von Bundeswehrsoldaten in die Ukraine nicht ausgeschlossen ist.