In dem Ausbau der Beziehungen zu Kanada sieht die Bundesregierung einen Nutzen für beide Staaten. So wollen Deutschland und Kanada ihre internationalen Partner und ihre Bezugsquellen für Energie und Rohstoffe diversifizieren. Aus deutscher Sicht gelten auch Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) sowie das Internet und die Infrastruktur im Weltraum als Felder, in denen die Zusammenarbeit ausgebaut werden kann.
Kanada ordnet seine Beziehungen selbst auch neu
Kanada bezieht bisher rund 80 Prozent seiner Militärgüter aus den USA. Wirtschaftlich und militärisch ist das Land eng mit dem Nachbarn USA verbunden. Das Verhältnis ist aber seit dem neuerlichen Amtsantritt Trumps schwer belastet. Neben Zöllen wird das Verhältnis auch von Trumps mehrfach geäußertem Wunsch strapaziert, Kanada als 51. Bundesstaat einzugliedern.
Das US-Verteidigungsministerium hatte sich angesichts der Spannungen aus einem Teil der militärischen Zusammenarbeit mit Kanada zurückgezogen. Konkret angekündigt wurde, dass die USA die Arbeit im ständigen Verteidigungsrat auf Eis legen. Das Gremium war 1940 geschaffen worden, um sich in Fragen der Verteidigung enger abzustimmen und besteht aus führenden Vertretern des Militärs sowie der Regierungen beider Länder.
Bei Rüstungskäufen sind oft Gegengeschäfte Thema
Bei milliardenschweren Verträgen über den Kauf von Waffen und Militärgütern streben auch verbündete Staaten oft nach einem finanziellen Ausgleich oder einer Kompensation. Diese sogenannten Offset-Geschäfte sind Teil der komplizierten Verhandlungen, bei denen Interessen unterschiedlicher Branchen unter Dach und Fach gebracht werden müssen.
Darauf angesprochen, sagte Pistorius in Ottawa: «Es gibt vielfältige Beteiligungsfelder für die Zusammenarbeit mit den Kanadiern.» Er verwies auch auf laufende Verhandlungen mit den Kanadiern über Gaslieferungen.
Der bundeseigene Gasimporteur Sefe plant dabei einen langfristigen LNG-Liefervertrag mit einem kanadischen Unternehmen. Sefe und die Firma Ksi Lisims LNG haben eine Absichtserklärung über die jährliche Lieferung von einer Million Tonnen Flüssigerdgas (LNG) unterzeichnet, wie das Unternehmen mitteilte. Die Lieferungen sollen Anfang der 2030er Jahre beginnen und über einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren erfolgen.
Ziel ist es, die Lieferungen von Flüssigerdgas breiter aufzustellen. Bisher kommt ein Großteil der Lieferungen aus den USA. Laut Bundeswirtschaftsministerium handelt es sich bei der Vereinbarung um die erste langfristige LNG-Partnerschaft von Sefe mit einem kanadischen Lieferanten.
Sefe hieß früher Gazprom Germania, war eine Tochter des russischen Staatskonzerns Gazprom und wurde als Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und der Energiekrise in Deutschland verstaatlicht.