Allgemein sprach er das Schicksal von Soldaten an, die in den Krieg ziehen müssten: «Zerbrechlich sind die Leben der jungen Menschen, die zu den Waffen gezwungen werden und gerade an der Front die Sinnlosigkeit dessen spüren, was von ihnen verlangt wird.»
Erstes Weihnachtsfest mit Papst Leo
Leo XIV. wurde im Mai als erster US-Amerikaner zum Papst gewählt. Sein Vorgänger, Papst Franziskus, war im April im Alter von 88 Jahren gestorben. Für die katholische Kirche mit ihren etwa 1,4 Milliarden Gläubigen war es also das erste Weihnachtsfest mit dem 70 Jahre alten US-Amerikaner als Oberhaupt. Die Ansprache vor dem Segen «Urbi et Orbi» (Der Stadt und dem Erdkreis) nutzen die Päpste traditionell für einen Friedensappell.
Leo XIV. wünschte den Gläubigen zum Abschluss in zehn Sprachen frohe Weihnachten, neben Deutsch auch auf Chinesisch und auf Arabisch - und nahm damit eine Tradition seiner Vorgänger vor Franziskus wieder auf. «Es lebe der Papst!», riefen Gläubige, als der Papst auf dem Balkon nochmals zum Gruß die Arme hob.
Vergessene Konflikte
Frieden und Trost erbat der Papst auch für die Opfer von in Vergessenheit geratenen Kriegen und für alle, die unter Ungerechtigkeit, politischer Instabilität, religiöser Verfolgung und Terrorismus litten. Er nannte unter anderem den Sudan, den Südsudan, Mali, Burkina Faso und die Demokratische Republik Kongo. Er erwähnte auch Myanmar, Haiti und den Konflikt zwischen Thailand und Kambodscha, der kürzlich wieder aufgeflammt war. Er verwies auch auf das Schicksal von Migranten, die aus ihrer Heimat fliehen müssten.
Aufruf zu Verantwortung
Die Gläubigen erinnerte er an ihre eigene Verantwortung. Er lade alle ein, sich «entschieden und gemeinsam» zu engagieren. «Lassen wir uns nicht von der Gleichgültigkeit gegenüber den Leidenden besiegen», sagte der Papst. «Öffnen wir an diesem heiligen Tag unser Herz für unsere Brüder und Schwestern in Not und Leid.» Würde jeder einzelne, anstatt andere zu beschuldigen, zuerst auf die eigenen Fehler schauen und sich zugleich in die Lage der Leidenden versetzen, wäre die Welt eine bessere.
Überall auf der Welt gebe es Menschen, die sich für die Gerechtigkeit entschieden, auch wenn es sie etwas koste, die Frieden über die eigenen Ängste stellten, erneuerte der Papst am Freitag, dem zweiten Weihnachtstag, seinen Aufruf an die Gläubigen. Das mache Hoffnung trotz aller Unsicherheiten. «Wer heute an den Frieden glaubt und den unbewaffneten Weg Jesu und der Märtyrer gewählt hat, wird oft lächerlich gemacht, aus der öffentlichen Debatte verdrängt und nicht selten beschuldigt, Gegner und Feinde zu begünstigen», kritisierte der Papst, der sich damit erneut an die Gläubigen auf dem Petersplatz wandte. Er erbat dabei auch Beistand für verfolgte Christen.
Papst erinnert an seine Vorgänger
An Heiligabend hatte der Papst bei seiner ersten Christmette in Rom zu Mitmenschlichkeit aufgerufen. Wo Platz für den Menschen sei, sei auch Platz für Gott, sagte er im voll besetzten Petersdom unter Verweis auf Worte des vor drei Jahren gestorbenen Kirchenoberhaupts Benedikt XVI. Weihnachten sei ein Fest der Hoffnung, das «uns zu Boten des Friedens» mache.
Auf dem Petersplatz verfolgten Tausende im Regen die auf Bildschirmen übertragene Christmette. Der Papst war eigens vor Beginn der Messe vor den Petersdom getreten, hatte die unter Regenschirmen Wartenden begrüßt, ihnen frohe Weihnachten gewünscht und sich bedankt, dass sie trotz des Wetters gekommen seien. Anschließend segnete er sie.
Leo XIV. erinnerte in der Christmette auch an seinen Vorgänger Franziskus, der zu Weihnachten 2024 - gesundheitlich angeschlagen - das Heilige Jahr eröffnet hatte. Das Heilige Jahr endet nun am 6. Januar.