Die Bürgerrechtler rechnen mit einer Entscheidung des Supreme Courts spätestens im Juni oder Juli.
Die Sammelklage wurde im Namen von «Barbara» eingereicht. Laut Gerichtsunterlagen handelt es sich um ein Pseudonym für eine aus Honduras stammende Asylbewerberin, die seit 2024 mit ihrer Familie in den USA lebt. Laut Klageschrift befürchtet sie, ihr Kind könnte durch geplante Änderungen beim Geburtsrecht nicht automatisch die US-Staatsbürgerschaft erhalten. Dadurch würden ihm grundlegende Rechte und Chancen wie Zugang zu Bildung oder legaler Arbeit verwehrt. Aus Sicherheitsgründen wurde ihre Identität nicht veröffentlicht, wie der Sender NPR berichtete.
Warum ist der Fall so brisant?
Der Fall rüttelt an den Grundfesten des amerikanischen Selbstverständnisses als Einwanderungsnation. Kritiker sehen in dem Vorhaben nicht nur einen Verstoß gegen den 14. Verfassungszusatz, sondern warnen auch vor der Entstehung einer Gruppe von in den USA geborenen Kindern ohne gesicherten Status. Die Zahl der Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung könnte so bis 2045 um 2,7 Millionen und bis 2075 um 5,4 Millionen steigen, wie aus Prognosen des Migration Policy Institute und der Penn State University hervorgeht.
Rechtlich gesehen ist es ein Machtkampf zwischen Exekutive und Verfassung: Kritiker sehen in Trumps Vorstoß einen Versuch, die Verfassung ohne die eigentlich notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit in beiden Kongresskammern und die Ratifizierung durch die Bundesstaaten umzudeuten.
Wie argumentiert Trump?
Grundsätzlich bejaht Trump das Geburtsrecht, aber: «Der 14. Zusatzartikel wurde jedoch nie so ausgelegt, dass er die Staatsbürgerschaft universell auf jeden ausdehnt, der innerhalb der Vereinigten Staaten geboren wurde.» Stattdessen müssten Neugeborene über ihre Eltern auch der Gerichtsbarkeit der USA unterstehen.
Für gewöhnlich untersteht jeder Mensch der US-Gerichtsbarkeit, sobald er sich physisch auf ihrem Boden befindet. Trump hingegen interpretiert die Gerichtsbarkeit als einen rechtlichen Status: Nur wer dauerhaft und rechtmäßig – etwa als Staatsbürger oder Inhaber einer Green Card – im Land verwurzelt ist, untersteht der Jurisdiktion in jenem Maße, das den automatischen Pass für die Nachkommen rechtfertigt.
Was sagen Gegner von Trumps Plan?
Für Gegner von Trumps Vorstoß ist die Rechtslage durch das Grundsatzurteil im Fall von Wong Kim Ark von 1898 dagegen bereits abschließend geklärt. Dem Sohn chinesischer Einwanderer, der in San Francisco geboren wurde, wurde nach einer China-Reise die Einreise zurück in die USA verweigert. Die Begründung der Behörden: Da seine Eltern aufgrund des damaligen «Chinese Exclusion Act» – einem rassistischen Gesetz zur Ausgrenzung chinesischer Migranten – niemals die Chance auf eine Einbürgerung hatten, sei er ebenfalls kein Staatsbürger.
Der Supreme Court entschied damals dagegen mit einer deutlichen Mehrheit: Der Ort der Geburt ist das entscheidende Kriterium, nicht die Herkunft der Eltern. Gerichtsbarkeit bedeute ferner, dass man den Gesetzen des Landes unterworfen ist und von der Polizei belangt werden kann. Solange man etwa kein Diplomat ist, untersteht man der US-Gerichtsbarkeit.
Wie wird es in Deutschland gehandhabt?
In Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern erwerben dann die deutsche Staatsbürgerschaft, wenn mindestens ein Elternteil seit fünf Jahren rechtmäßig seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat und zum Zeitpunkt der Geburt ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzt. So heißt es beim Bundesinnenministerium. Diesen Kindern wird dann neben der deutschen Staatsangehörigkeit auch die Staatsangehörigkeit der Eltern zugesprochen.