Die Methode Merz: Mal so, mal so
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat es zu Anfang auf die sanfte Tour versucht. Vor einem Jahr brachte er zum Antrittsbesuch im Oval Office eine in Gold gerahmte Kopie der Geburtsurkunde von Trumps Großvater, der aus einem Winzerdorf in der Pfalz stammte, als Geschenk mit - und obendrein einen Golfschläger.
Der US-Präsident bedankte sich mit Lobeshymnen auf Friedrich - der denselben Vornamen wie sein Großvater trägt. Er sei mit Merz befreundet, sagte er, und bedankte sich sogar für die deutschen Militärausgaben, die er so lange kritisiert hatte: «Ich weiß, dass Sie jetzt mehr Geld für die Verteidigung ausgeben - und zwar ziemlich viel mehr. Das ist eine positive Sache.»
Dann kam der Iran-Krieg. Anfangs versuchte Merz noch, Trump dabei nicht in die Parade zu fahren. Im weiteren Kriegsverlauf machte Merz dann aber Schritt für Schritt eine Kehrtwende, wetterte immer schärfer gegen den Krieg. Das gipfelte darin, dass er bei einer Diskussion mit Schülern im Sauerland sagte, der Iran habe die USA als ganze Nation gedemütigt.
Dafür bekam er die Quittung: Trump kündigte den Abzug von 5.000 US-Soldaten aus Deutschland an, und die von seinem Vorgänger Joe Biden vor zwei Jahren versprochenen Tomahawk-Marschflugkörper sollen nun auch nicht mehr geliefert werden. Von dem direkten Handy-Kontakt zu Trump, mit dem Merz sich anfangs noch brüstete, hört man nicht mehr viel.
Beim G7-Gipfel im französischen Évian machte Merz einen neuen Versuch, mit einem Präsent gute Stimmung zu verbreiten, diesmal mit einem Deutschland-Trikot zum 80. Geburtstag. Trump lächelte nur kurz, legte das Trikot dann aber schnell zur Seite. Freundlicher ist er Deutschland gegenüber seitdem nicht mehr geworden. Inzwischen schimpft er wieder wie früher über die deutschen Militärausgaben, bezeichnet sie als «lächerlich».
Merz will sich das nicht gefallen lassen. Deutschland brauche sich mit seiner Verdoppelung des Verteidigungshaushalts innerhalb von vier Jahren vor niemandem zu verstecken, sagt er. Das werde er beim Nato-Gipfel «auch in aller Bescheidenheit zum Ausdruck bringen».
Die Methode Meloni: Im Zweifel klare Kante
Klare Kante zeigt unter den Europäern derzeit vor allem Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni. Sie galt lange Zeit zwar als wichtigste Kontaktperson aus den europäischen Nato- und G7-Staaten zu Trump und wurde sogar Brückenbauerin genannt.
Zuletzt bekam das Verhältnis jedoch sichtbare Risse: Trump und Meloni stritten auf offener Bühne. Auslöser war die Behauptung des US-Präsidenten, Meloni habe ihn beim G7-Gipfel um ein Foto angefleht. Sie habe ihm leidgetan. Meloni bezeichnete dies als «völlig erfunden». Bei einem weiteren Schlagabtausch in den sozialen Medien wies sie ihn abermals zurecht.
Im Nachgang machte Trump klar, dass es ihm bei seiner Kritik vor allem um aus seiner Sicht fehlende Unterstützung im Iran-Krieg ging. Italien verweigerte US-Flugzeugen die Landung auf dem Stützpunkt Sigonella auf Sizilien.
Anders als früher bemühte sie sich dieses Mal nicht, den Konflikt kleinzureden, sondern hielt scharf dagegen. Viele werteten dies als Emanzipation von Trump. Meloni sucht zwar weiter den Draht nach Washington. Zugleich zeigt sie aber, dass sie ihre Rolle als Vermittlerin zwischen den USA und Europa nicht mit bedingungsloser Loyalität gegenüber Trump gleichsetzt. Womöglich hat sie aber auch der Blick auf Umfragewerte zum Umdenken gebracht.
Diesen Weg hat vor Meloni schon der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez eingeschlagen. Ihm wurde schnell klar, dass bei Trump Sympathie jederzeit auch ins Gegenteil umschlagen kann und der Präsident Widerspruch am Ende mehr respektiert als Komplimente. Im Iran-Krieg untersagte auch Sánchez den USA, spanische Militärbasen für den Einsatz zu nutzen.
Trump tobte erwartungsgemäß und drohte Spanien mehrfach mit Strafen. Sánchez sagte damals, «blinder und unterwürfiger Gehorsam» sei kein Ausdruck von Führung.