Wenn der Kanzler den brasilianischen Präsidenten in Hannover trifft, geht es um Handel, Schutz des Regenwalds und Trump. Ganz am Rande könnte es aber auch noch um etwas anderes gehen - um die Wurst.
Deutschland und Brasilien wollen ihre strategische Partnerschaft bei zweitägigen Beratungen in Hannover weiter ausbauen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) empfing den brasilianische Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva am Nachmittag zunächst vor dem Schloss Herrenhausen mit militärischen Ehren zu einem Gespräch unter vier Augen. Anschließend nahmen beide an der Eröffnungszeremonie der Hannover-Messe teil, der größten Industrieschau der Welt. Brasilien ist dieses Jahr Partnerland der Messe.
Merz betonte nach seinem ersten Gespräch mit Lula, wie bedeutend das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten für die Wirtschaftsbeziehungen zu Lateinamerika sei. Das Abkommen wird zum 1. Mai wirksam. «Wir treffen uns zu einem Zeitpunkt, der auf der einen Seite besser nicht sein könnte, was das europäisch-südamerikanische Verhältnis betrifft», sagte Merz mit Blick auf die Vereinbarung. «Aber wir treffen uns auch zu einer Zeit großer Herausforderungen und Veränderungen.»
Merz hofft auf Zeichen der Zuversicht
Er erhoffe sich von der Hannover-Messe ein Zeichen der Zuversicht für den Industriestandort Deutschland, betonte der Kanzler. Er verwies auf die bereits eingeleiteten und noch anstehenden Reformen. «Wir haben bereits eine ganze Reihe von wichtigen Reformen verabschiedet. Wir wissen, dass wir mehr tun müssen», betonte er.
Am Montag ist ein Rundgang von Lula und Merz über das Messegelände geplant. Anschließend finden dann im Schloss Herrenhausen die deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen statt, an denen aus Brasilien sieben und auf deutscher Seite acht Minister teilnehmen. Ziel ist es, die Beziehungen in Bereichen wie Handel, Rohstoffe, Rüstung, Digitalisierung, Forschung und Klimaschutz weiter auszubauen.
«Trump wurde nicht zum Kaiser der Welt gewählt»
Es wird aber auch um Außenpolitik gehen. Unter anderem dürfte das Agieren von US-Präsident Donald Trump gegen den Iran, aber auch gegenüber lateinamerikanischen Ländern wie Venezuela und Kuba eine Rolle spielen.
«Trump wurde nicht zum Kaiser der Welt gewählt», sagte Lula vor seinem Deutschlandbesuch dem «Spiegel». «Er kann anderen Ländern nicht pausenlos mit Krieg drohen.» Der US-Präsident hatte vor wenigen Tagen gesagt: «Vielleicht werden wir in Kuba vorbeischauen, wenn wir hiermit fertig sind.» Damit meinte er den Iran-Krieg, den er zusammen mit Israel angefangen hatte.
Lula will UN stärken - und warnt vor neuem Hitler
Lula will der Großmachtpolitik Trumps eine Reform der Vereinten Nationen entgegensetzen und strebt wie Deutschland einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat an. Alle Versuche, das Gremium zu reformieren, sind in den vergangenen Jahrzehnten aber gescheitert. Derzeit hat der Sicherheitsrat fünf permanente Mitglieder, die Vetorecht besitzen: USA, China, Russland, Großbritannien und Frankreich - alles Atommächte.