Wasserversorgung in Gefahr
Zwei Wasserversorger im Süden des Gazastreifens stellten nach UN-Angaben mangels Treibstoff ihre Arbeit ein. Rund 200 000 Menschen bekämen deshalb kein Trinkwasser mehr, berichtete das UN-Nothilfebüro OCHA. Damit sei auch eine Verteilung von Hilfsgütern, die über den Rafah-Grenzübergang aus Ägypten kommen, in Frage gestellt. Straßenkämpfe in der Stadt Gaza verhinderten zudem, dass Nothelfer nach israelischen Bombardements auf Hilferufe von unter Trümmern Verschütteten reagieren können.
Israels Armee räumte Zivilisten im nördlichen Gazastreifen erneut ein Zeitfenster für die Flucht in den Süden ein. Zudem nannte ein Armee-Sprecher auf der Plattform X zwei Viertel der Stadt Gaza, in denen es tagsüber eine humanitäre Kampfpause geben sollte.
Israels Finanzminister für «freiwillige Abwanderung»
Insgesamt sind knapp 1,6 Millionen der rund 2,2 Millionen Einwohner des Küstengebiets auf der Flucht. Das UN-Hilfswerk für Palästinenser (UNRWA) gibt an, in seinen Gebäuden im Süden - darunter viele Schulen - aktuell fast die Hälfte von ihnen zu beherbergen.
Israels rechtsextremer Finanzminister Bezalel Smotrich sprach sich für eine «freiwillige Abwanderung» von Palästinensern aus dem Gazastreifen in mehrere Länder aus. «Die freiwillige Abwanderung und die Aufnahme von arabischen Gaza-Bewohnern durch die Länder der Welt ist eine humanitäre Lösung, die dem Leiden von Juden und Arabern gleichzeitig ein Ende setzen wird», schrieb Smotrich am auf X. Smotrich hat in der Vergangenheit bereits die Existenz des palästinensischen Volkes geleugnet.
Der ägyptische Außenminister Samih Schukri wies die Aussagen Smotrichs zurück. Aus Sorge vor einer Massenflucht haben sowohl Ägypten, als auch Jordanien die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Gazastreifen abgelehnt. Das hat auch mit der Befürchtung zu tun, dass daraus am Ende eine dauerhafte Vertreibung werden könnte.
Als Geisel vermutete Friedensaktivistin aus Kibbutz ist tot
Eine zeitweise unter den von der Hamas in den Gazastreifen verschleppten Geiseln vermutete israelisch-kanadische Friedensaktivistin ist tot. Vivian Silvers Leiche sei gefunden worden, teilte das israelische Außenministerium mit. Die 74-Jährige aus dem Kibbutz Beeri war seit dem Massaker der Hamas am 7. Oktober vermisst worden. Ihr Sohn Yonatan Zeigen war von einer Entführung seiner Mutter in den Gazastreifen ausgegangen.
Silver war als Aktivistin der Organisation Women Wage Peace bekannt. Sie gehörte nach Angaben ihres Sohns auch zu Freiwilligen, die seit Jahren kranke Kinder aus Gaza an der Grenze abholten und zur Behandlung in israelische Krankenhäuser fuhren.
Israels Armee bestätigte außerdem den Tod einer Geisel in der Gewalt der Hamas. Das Militär listete die 19-jährige Soldatin, die den Angaben entführt worden war, unter den seit dem 7. Oktober Gefallenen auf. Der bewaffnete Arm der Hamas behauptete, sie sei am 9. November bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen getötet worden.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) verhandelt mit der Hamas über Zugang zu den entführten Geiseln. «Wir bestehen darauf, die Geiseln zu sehen», sagte Sprecherin Fatima Sator am Dienstag in Genf. «Das ist Teil unseres Dialogs mit Hamas.» Israels Außenminister Eli Cohen war in Genf zu Gesprächen mit der IKRK-Spitze und UN-Organisationen.
Nach Darstellung der israelischen Regierung bricht die Macht der islamistischen Hamas im Gazastreifen durch die Kämpfe immer mehr zusammen. «Die Terrororganisation Hamas hat die Kontrolle über Gaza verloren», erklärte Verteidigungsminister Joav Galant. «Zivilisten plündern Hamas-Stützpunkte und sie haben kein Vertrauen in ihre Regierung», sagte er am Montagabend. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Bodentruppen der israelischen Armee haben seit fast zwei Wochen die Stadt Gaza im Norden des Küstengebiets umzingelt.
USA und Großbritannien verhängen weitere Sanktionen gegen Hamas
Die USA und Großbritannien haben weitere Sanktionen gegen Personen und Einrichtungen mit Verbindungen zur islamistischen Hamas verhängt. Das US-Finanzministerium teilte in Washington mit, das mittlerweile dritte Sanktionspaket richte sich gegen mehrere Hamas-Funktionäre und Mechanismen, mit deren Hilfe der Iran die Hamas sowie die militante Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad (PIJ) unterstütze. Betroffen sei auch ein im Libanon ansässiges Finanzunternehmen, über das in den vergangenen Jahren Millionenbeträge an die Hamas im Gazastreifen geflossen seien.
«Die Aktionen der Hamas haben immenses Leid verursacht und gezeigt, dass Terrorismus nicht isoliert auftritt», erklärte Finanzministerin Janet Yellen. Bei den Maßnahmen gehe es darum, «die Finanzinfrastruktur der Hamas zu schwächen, sie von Fremdfinanzierung abzuschneiden und neue Finanzierungskanäle zu blockieren».