Leere Geschäfte, teurer Alltag und eine ungewisse Zukunft. Nach Wochen des Krieges leben viele Menschen im Iran weiter im Wartemodus. Die Waffenruhe hat daran wenig geändert.
Die Iran-Mall im Westen der Hauptstadt Teheran gilt als größtes Einkaufszentrum der Welt. Auf einer Fläche von rund 270 Fußballfeldern gibt es fast alles zu kaufen. Cafés, Restaurants, Boutiquen, Autohändler reihen sich aneinander. Die Mall wurde vor acht Jahren eröffnet und steht für den Anspruch des Landes, modern zu sein.
Doch in diesen Tagen ist es still in der sonst überfüllten Passage. Die meisten Geschäfte sind geöffnet, aber kaum Kundschaft kommt vorbei. Verkäufer stehen in den Eingängen und warten. Viele kommen nur noch zum Schlendern, nicht zum Kaufen. Die Preise sind gestiegen, die Einkommen nicht. Der Krieg hat den Alltag teurer gemacht.
«Wer gibt jetzt noch Geld aus für einen Anzug oder Lederschuhe?», fragt Meysam, der hier ein Bekleidungsgeschäft betreibt. Der 43-Jährige blickt mit Sorge auf die kommenden Wochen. Niemand weiß, wie lange die Waffenruhe mit Israel und den USA hält. Auch nicht, ob der Streit um die Straße von Hormus weiter eskaliert. «Und Internet haben wir auch nicht mehr», sagt er. Seit 50 Tagen ist das Land weitgehend offline.
Eine Waffenruhe, die wenig verändert
Seit Wochen lebt das Land im Schatten eines Krieges, der jederzeit wieder aufflammen kann. Anfang April haben sich die USA und der Iran auf eine Waffenruhe geeinigt. Sie gilt noch. Doch sie hat den Konflikt nicht gelöst. Vieles existiert hier nebeneinander. Der Staat kontrolliert den öffentlichen Raum, setzt enge Grenzen. Gleichzeitig haben sich viele Menschen ihren Alltag eingerichtet, mit kleinen Freiräumen. Für Teile der Mittelschicht gehörte ein Besuch in Einkaufszentren wie der Iran-Mall lange zur Freizeitbeschäftigung am Wochenende.
Nur ein Supermarkt in dem Einkaufszentrum ist gut besucht. Mohammad-Resa ist Mitte 40 und Manager. «Wir haben noch keinen Mangel an Waren, aber fast jeden Morgen müssen wir die Preise erhöhen», sagt er. Früher habe er den Laden organisiert. Heute müsse er die Kunden fast den ganzen Tag beruhigen. «Und sie haben ja recht», sagt er. «Wenn der Preis für Safran nach dem Krieg doppelt so teuer geworden ist.» Das Land müsse verteidigt werden. «Aber leben müssen wir ja auch.»
Viele Branchen leiden unter den Kriegsfolgen. Bereits vor der militärischen Eskalation hatte die vom Machtapparat verhängte Internetsperre während der Proteste Anfang Januar Hunderttausende Jobs bedroht, vor allem im Handel und bei Onlinediensten. Der Krieg hat die Lage weiter verschärft. Lieferketten sind gestört, Flüge gestrichen, Investitionen liegen auf Eis.
Geschäfte brechen weg, Kosten bleiben
Mardschan ist 50 Jahre alt und leitet eine Reiseagentur. «Gut verdienen, gut ausgeben»: Nach diesem Motto habe sie lange gelebt, sagt sie. Damit sei es vorbei. Nach den Bombardierungen der Flughäfen und der Sperrung des Luftraums kann und will kaum noch jemand reisen. «Ich verkaufe Flugtickets, keine Bustickets», sagt sie. Früher habe sie sich vieles leisten können, erzählt sie. Obst habe sie kiloweise gekauft. «Jetzt kaufe ich stückweise.» Wenn sie als Managerin sparen müsse, was machten dann erst Beamte oder Arbeiter?