Ein Sprecher des Auswärtigen Amts verwies auf Mahnungen, die die Bundesregierung bereits im Dezember an die Verantwortlichen in Hongkong gerichtet hatte. «Wir fordern die Hongkonger Behörden auf, die Rechte und Freiheit zu achten», bekräftigte der Sprecher von Außenminister Johann Wadephul (CDU). Der Sprecher verwies auch auf Lais fragile Gesundheit.
Menschenrechtsorganisationen kritisierten die Haftstrafe scharf. «Die harte 20-jährige Haftstrafe gegen den 78-jährigen Jimmy Lai ist praktisch ein Todesurteil», erklärte die Asien-Leiterin der Organisation Human Rights Watch, Elaine Pearson. Die Strafe sei grausam und völlig ungerecht. Reporter ohne Grenzen (RSF) teilte mit, die Gerichtsentscheidung unterstreiche den «vollständigen Zusammenbruch der Pressefreiheit in Hongkong».
Demokratien wie Großbritannien und die USA müssten Druck auf Peking und die Behörden in Hongkong ausüben, um sicherzustellen, dass Lai und alle anderen Journalisten aus dem Gefängnis entlassen würden, forderte die Organisation weiter. US-Präsident Donald Trump hatte im Wahlkampf etwa gesagt, er wolle Lai aus dem Gefängnis holen.
US-Außenminister Marco Rubio kritisierte die Verurteilung als «ungerechten und tragischen Abschluss des Falls». Sie zeige der Welt, dass Peking zu «außergewöhnlichen Maßnahmen» bereit sei, um Menschen zum Schweigen zu bringen, die sich für Freiheit in Hongkong einsetzten. Er forderte die Behörden auf, Lai aus humanitären Gründen auf Bewährung freizulassen.
Britische Außenministerin fordert Freilassung
Von Beginn an kritisierte auch Großbritannien das Verfahren gegen den gläubigen Katholiken. Außenministerin Yvette Cooper betonte nach der Strafmaßverkündung, Peking habe Hongkong das nationale Sicherheitsgesetz auferlegt, um Chinas Kritiker zum Schweigen zu bringen. Auch sie forderte eine Freilassung aus humanitären Gründen.
Behörden weisen Vorwürfe zurück
Die Hongkonger Regierung weist den Vorwurf eines politisch motivierten Verfahrens zurück und betont, das Verfahren habe nichts mit der Pressefreiheit zu tun, sondern diene der Durchsetzung geltenden Rechts. Lais «harte Strafe» von 20 Jahren Haft habe gezeigt, dass Rechtsstaatlichkeit gewahrt und Gerechtigkeit geübt werde, und das sei für alle eine «große Erleichterung», sagte Hongkongs Regierungschef John Lee.
Das chinesische Außenministerium stellte sich hinter die Entscheidung des Hongkonger Gerichts und betonte, Lai sei ein chinesischer Staatsbürger. Sein Handeln habe das Prinzip von «Ein Land, zwei Systeme» ernsthaft untergraben und die nationale Sicherheit gefährdet, sagte Sprecher Lin Jian. Peking kritisierte außerdem, dass sich andere Länder in den Prozess einmischten. Das Rechtsverfahren sei eine innere Angelegenheit, sagte Lin. Betreffende Länder sollten Chinas Souveränität und Hongkongs Rechtssystem respektieren und keine unvernünftigen Äußerungen über den Prozess tätigen, erklärte er.