Die Erwartungen vor dem G7-Gipfeltreffen im malerischen Kurort Évian waren eher mau. Umso erstaunlicher, dass sich die Runde mit US-Präsident Trump tatsächlich am Ende auf mehrere Erklärungen einigt.
Die großen und wirtschaftsstarken Demokratien der Welt (G7) arbeiten wieder enger zusammen, um politische und wirtschaftliche Krisen zu bewältigen. Ungeachtet der Streitereien über den Iran-Krieg fanden US-Präsident Donald Trump und seine Kollegen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und Japan gemeinsame Positionen unter anderem zum Ukraine-Krieg, zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz, zum Schutz von Kindern im Internet und einer Reform der Entwicklungshilfe.
Der Gastgeber, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, sprach von einem Erfolg: «Dieser Gipfel hat es uns tatsächlich ermöglicht, uns sehr eng abzustimmen, um auf die Krisen zu antworten und an den großen Herausforderungen unserer Zeit zu arbeiten.»
Das konstruktive Herangehen Trumps fand nach dem dreitägigen Gipfel Anerkennung. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) lobte ausdrücklich die Zusammenarbeit mit ihm. «Wir haben sehr offen miteinander über die Themen gesprochen. Insofern gibt es da überhaupt keine Einschränkungen auch des persönlichen Miteinanders.»
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sowie führende Politiker aus dem Nahen Osten waren als Gäste eingeladen. Wichtige Themen und Ergebnisse in einer Übersicht:
Ukraine: Macron spricht von «strategischem Erwachen»
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der Gastgeber, bezeichnete den Gipfel als «Moment des strategischen Erwachens». Die USA und die anderen G7-Staaten wollen mit zusätzlichem Druck auf Russland die Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Krieges intensivieren. In einer gemeinsamen Erklärung der Staats- und Regierungschefs heißt es, man werde die Sanktionen verschärfen, auch im Öl- und Gassektor. Zudem habe man vereinbart, die Lieferung weitreichender Waffen und von Luftverteidigungskapazitäten auszuweiten.
Iran-Deal bietet «historische Chance»
Die G7-Staaten sehen in dem Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran eine «historische Chance», die Führung in Teheran vom Besitz von Atomwaffen abzuhalten. Der von Trump erzielte Deal, der am Freitag von beiden Kriegsparteien unterzeichnet werden soll, könne «Frieden und Sicherheit für alle in der Region bringen», heißt es in einer Erklärung. «Wir unterstützen die Umsetzung des Abkommens und sind bereit, dazu beizutragen.» In Bezug auf die Straße von Hormus bekräftigten sie, dass «das Recht auf ungehinderte und gebührenfreie Durchfahrt die Grundlage des internationalen Handels bildet».
G7 streben Obergrenze für seltene Erden aus China an
Um die Anfälligkeit für politischen und wirtschaftlichen Druck durch Länder wie China zu reduzieren, wollen die G7 Obergrenzen für die Einfuhr bestimmter Rohstoffe erreichen. Ziel sei es, die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten außerhalb der G7 und ihrer Partnerländer bei seltenen Erden und Permanentmagneten bis 2030 auf unter 60 Prozent zu senken, hieß es in einer Erklärung. Auch wenn China nicht ausdrücklich erwähnt wurde: Das Land beherrscht bei vielen Rohstoffen den Weltmarkt.