Die Europäer sehen eine Chance auf Frieden in der Ukraine
Die Europäer sehen nun eine Chance, dass es auch bei den Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs zu einem Durchbruch kommen kann. Erstmals seit langem sehen sie sich dabei wieder auf einer Linie mit Trump, der während des Iran-Kriegs das Interesse an dem Konflikt verloren zu haben schien. Nun einigten sich die Staats- und Regierungschefs - inklusive Trump - beim G7-Gipfel sogar auf eine gemeinsame Erklärung. Darin heißt es, man werde die Sanktionen verschärfen, auch im Öl- und Gassektor. Zudem habe man vereinbart, die Lieferung von weitreichenden Waffen und Luftverteidigungskapazitäten auszuweiten.
Der US-Präsident selbst forderte Russland auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren: «Russland sollte sich auf einen Deal einlassen», sagte er. Eine konkrete Zusage, dass die Europäer bei einer neuen Verhandlungsrunde mit am Tisch sitzen, gab es aber nicht.
Die Voraussetzungen für den Nato-Gipfel verbessern sich
Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel. Der Verlauf des G7-Treffens könnte einen positiven Effekt auf den Nato-Gipfel am 7. bis 8. Juli in Ankara haben. Trump hatte in den vergangenen Monaten mehrfach seine Enttäuschung über die Reaktion von europäischen Verbündeten auf die Operationen im Iran geäußert und mit Konsequenzen gedroht. US-Außenminister Marco Rubio machte am Rande eines Vorbereitungstreffens in Schweden deutlich, dass Trump davon überzeugt werden muss, dass die Verteidigungsallianz noch einen Mehrwert für die Vereinigten Staaten hat.
Mit einer von den Europäern geführten Militärmission in der Straße von Hormus könnte das gelingen. In der Nato gibt es die Hoffnung, dass dies das Konfliktpotenzial beim Gipfel deutlich senken könnte. Das hofft auch der Kanzler. «Insofern, glaube ich, haben wir jetzt auch viele Voraussetzungen geschaffen, um den Nato-Gipfel zu einem Erfolg zu machen», sagte er zum Abschluss des G7-Gipfels.
Merz' Trikot-Offensive zündet nicht
Merz und Trump hatten sich zu Beginn der Amtszeit des Kanzlers ziemlich gut verstanden. Dann verärgerte der CDU-Chef den US-Präsidenten mit seiner Kritik am Iran-Krieg. Trump kündigte im Gegenzug den Abzug von 5.000 Soldaten aus Deutschland an. Das Verhältnis der beiden gilt seither als beschädigt.
Merz versuchte in Évian, die Stimmung mit einem Geschenk zum 80. Geburtstag wieder aufzuhellen: einem Deutschlandtrikot mit der Nummer 47 für den 47. US-Präsidenten. Die Geste zündete nicht so richtig. Trump zeigte sich nicht so richtig begeistert, lächelte nur höflich und legte das Präsent dann schnell zur Seite.
Ein bilaterales Gespräch der beiden zur Aussprache gab es auch nicht. Merz nahm es gelassen. Es gebe «da überhaupt keine Einschränkungen auch des persönlichen Miteinanders», sagte er. Nach inniger Freundschaft hört sich das aber nicht an.
Morgen kann schon wieder alles anders sein
«Schließlich spielen wir im selben Team.» Mit diesen Worten begründete Merz sein Geschenk an Trump auf X. Ob Trump das auch so sieht, ist fraglich. Er begrüßte die anderen Staats- und Regierungschefs zu Beginn einer Arbeitssitzung mit den Worten. «Ich bin der Boss.»
Wie auch immer der US-Präsident solche Sprüche meint. Am Ende bleibt trotz aller Entspannung in den transatlantischen Beziehungen nach dem Gipfel in Évian die Gewissheit, dass morgen wieder alles anders sein kann mit Trump. Das haben die europäischen Verbündeten schon zu oft erlebt - auch Merz.