Möglich war das nur durch eine Notlüge. Weber erzählte Jordan zwar, dass der damals 22-Jährige den legendären Kurs in den Ardennen bestens kenne. Doch das stimmte gar nicht. "Aus diesem Grund schnappte ich mir ein Fahrrad, um dort ein paar Runden zu fahren und ich erkannte gleich, welch fantastische Strecke dies ist", erzählte Schumacher später. Der Anfang einer unvergleichbaren Erfolgsgeschichte, die mit sieben Weltmeistertiteln endete!
Nur mit diesem Trick und viel Überzeugungsarbeit durch Weber bekam der Kerpener das Cockpit von Bertrand Gachot und durfte hinter das Lenkrad des Jordan 191. Der Franzose Gachot musste wegen einer Attacke mit Reizgas auf einen Taxifahrer in London kurzfristig ins Gefängnis.
Jordans Lebenswerk: Fahrer, Teamchef, Experte – ein Leben für den Motorsport und wilde Partys
Als Fahrer war Jordan selbst in unteren Formel-Klassen aktiv, feierte einige Siege und durfte sogar ein Formel-1-Auto von McLaren testen. "Früher hatte ich einmal den Traum, Weltmeister zu werden, doch dann gelangte ich an den Punkt, an dem ich wusste, dass ich es als Fahrer nicht schaffen konnte", sagte Jordan einmal.
Also wurde er Chef seines eigenen Teams. In einem seiner Autos fuhr die spätere PS-Ikone Senna 1982 seine ersten Formel-3-Kilometer. Nach einigen Erfolgen wagte sich Jordan 1991 schließlich in die Formel 1. Als Rennstallbetreiber entwickelte er kreative Methoden zur Geldbeschaffung. Angeblich gaben ihm die Gerichtsvollzieher immer wieder rechtzeitig Tipps, bevor sie zur Pfändung anrückten, damit er verschwinden kann.
Jordan erlebte ertragreiche Jahre in der Rennserie. Er sicherte sich einträgliche Sponsorverträge, veranstaltete auffällige Partys. Vor der Teamgarage flanierten spärlich bekleidete Damen, darunter eine gewisse Katie Price. Sie sorgten für eine völlig neue Aufmerksamkeit.
Jordans Händchen für große Talente: Von Debüts zu Weltmeistertiteln
Für Jordan fuhren Weltmeister Damon Hill, Rubens Barrichello, Eddie Irvine und mehrere Deutsche. Ralf Schumacher, Heinz-Harald Frentzen, Nick Heidfeld und Timo Glock verpflichtete er.
"Ich kann es kaum glauben, dass du den Kampf gegen die Krankheit verloren hast. Vielen Dank, dass du mir die Gelegenheit gegeben hast, meine F1-Karriere in deinem Team zu starten", schrieb Ralf Schumacher bei Instagram. Dafür werde er Jordan immer dankbar sein. Auch viele aktuelle Protagonisten trauerten kurz vor dem nächsten Rennen am Sonntag in China um Jordan. "Die Formel 1 hat eine Legende verloren und wir werden seinen Witz und seinen irischen Charme vermissen", schrieb Red-Bull-Teamchef Christian Horner.
Jordan hatte ein Gespür für Talente. Insgesamt erreichte das Team vier Grand-Prix-Siege, zwei davon durch Frentzen 1999. Aber mit der Geldverschwendung der Werksrennställe konnte der Vater von vier Kindern nicht mithalten. 2005 war Schluss, Jordan verkaufte seine Anteile. Doch auch später konnte er nicht von der Rennserie lassen und wurde TV-Experte bei der BBC. Dort sorgte er mit ironischen Kommentaren für Lacher, ehe er sich im Alter mehr zurückzog.
"Lasst euch testen": Jordan ermutigt Männer zur Vorsorge
Wenige Monate vor seinem Tod ermutigte er Männer im gemeinsamen Podcast mit dem einstigen Vizeweltmeister David Coulthard zur Vorsorge. "Schiebt so was nicht auf die lange Bank, sondern lasst euch testen! Es gibt so viel Hilfe da draußen, um euer Leben zu verlängern. Seid nicht dumm", sagte Jordan.
Es gebe auch keinen Grund, sich für Untersuchungen oder Arztbesuche zu schämen, sondern man solle immer gut zu seinem Körper sein.