Seine Kriegsziele in der Ukraine hat Russland auch nach vier Jahren nicht erreicht. Zum Jahrestag des Invasionsbeginns zeigt Kiew Trauer und Tapferkeit - und Moskau seine Unerbittlichkeit.
Die Ukraine ist unter düsteren Vorzeichen in das fünfte Jahr ihres Kampfes gegen den russischen Angriffskrieg gestartet. Wegen eines Vetos Ungarns konnte die EU nicht wie geplant den finalen Beschluss für Finanzhilfen in Höhe von 90 Milliarden Euro fassen. Zudem bekräftigte Ungarn gemeinsam mit der Slowakei seine Blockade von neuen EU-Russland-Sanktionen. Moskau hingegen, das die Invasion am 24. Februar 2022 begonnen hatte, räumte zwar ein, seine Kriegsziele bisher nicht erreicht zu haben. Ablassen von seinen Absichten will Russland aber nicht.
Eigentlich hätten zum Jahrestag die neuen Strafmaßnahmen in Kraft treten und ein starkes Signal an Russlands Präsidenten Wladimir Putin senden sollen. Den Druck spürt aber Russlands Kriegswirtschaft auch so zunehmend - durch die bisherigen 19 Sanktionspakete der EU.
Angesichts der absehbaren Fortsetzung des Kriegs rief der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Menschen im Land zum Durchhalten auf. «Wenn wir uns an den Beginn der Invasion erinnern und auf die heutige Situation blicken, können wir mit Fug und Recht sagen: Wir haben unsere Unabhängigkeit verteidigt, wir haben unsere Staatlichkeit nicht verloren», sagte das Staatsoberhaupt in einer Videobotschaft. Putin habe seine Ziele nicht erreicht und die Ukrainer nicht gebrochen.
Selenskyj: Ukraine verteidigt ihre Existenz
Zu den von US-Präsident Donald Trump initiierten Friedensgesprächen sagte Selenskyj: «Fraglos wollen wir alle, dass dieser Krieg endet, doch niemand lässt zu, dass die Ukraine zu existieren aufhört.» Es werde alles dafür getan, damit die Kriegsjahre nicht umsonst waren.
Selenskyj spielte damit darauf an, dass Trump ihn seit Monaten immer wieder zu größeren Zugeständnissen in den Verhandlungen aufruft. Besonders brisant ist dies, weil er gleichzeitig die US-Militärhilfen für die Ukraine drastisch zurückgefahren hat. Geliefert werden in der Regel nur noch Rüstungsgüter, die von Ländern wie Deutschland finanziert werden.
EU-Spitze in Kiew sichert Ukraine Unterstützung zu
Unterstützung bekam Selenskyj von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa, die gemeinsam mit mehreren europäischen Staats- und Regierungschefs zum Jahrestag nach Kiew gereist waren. Von der Leyen sagte, der Besuch solle zeigen, dass Europa auch durch diesen harten Winter hindurch finanziell und militärisch unerschütterlich zur Ukraine stehe.
Der nicht nach Kiew gereiste deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) warnte Ungarn und die Slowakei vor möglichen Konsequenzen ihrer Blockade-Politik. «Das Schicksal der Ukraine ist unser Schicksal», erklärte Merz aus der Ferne vor einer geplanten Reise nach China. Der Krieg könne nur mit gemeinsamer Stärke beendet werden.