Das 19. Sanktionspaket der EU gegen Russland ist in Kraft. Die «Mutter aller Sanktionen» fehlt aber noch. Die Verhandlungen darüber gestalten sich beim Gipfel in Brüssel schwierig.
Mit neuen Sanktionen zur Verringerung der Öl- und Gas-Einnahmen erhöht die EU den Druck Russland, den Angriffskrieg gegen die Ukraine zu beenden - und arbeitet an einem weiteren, deutlich weitreichenderen Schritt. Bundeskanzler Friedrich Merz warb beim Gipfeltreffen der 27 Staats- und Regierungschefs in Brüssel für seinen Vorschlag, 140 Milliarden Euro des in der EU eingefrorenen russischen Vermögens für Kredite zur Aufrüstung der ukrainischen Armee zu nutzen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte eine schnelle Entscheidung darüber. Gleichzeitig bat er seine europäischen Verbündeten, die Lieferung von weitreichenden Waffen zu ermöglichen. «Diese Langstreckenwaffen gibt es nicht nur in den USA – auch einige europäische Länder verfügen über sie, darunter Tomahawks.»
LNG-Importverbot schon 2027
Der Gipfel begann mit Nachricht, dass die neuen Russland-Sanktionen im schriftlichen Verfahren angenommen wurden, nachdem darüber bereits am Mittwochabend Einigung erzielt worden war. Das Paket sieht vor, dass ein vollständiges Importverbot von Flüssigerdgas (LNG) aus Russland schon 2027 gelten soll und damit ein Jahr früher als ursprünglich geplant.
Zudem enthält es weitere Strafmaßnahmen im Finanzsektor und Handelsbereich sowie Einschränkungen der Bewegungsfreiheit russischer Diplomaten innerhalb der EU.
Ermöglicht wurde die Einigung durch die Slowakei, die einen wochenlangen Vorbehalt am Mittwoch aufgab. Der slowakische Regierungschef Robert Fico hatte zuvor erklärt, die EU habe wie von ihm gefordert zugesagt, mehr gegen explodierende Energiepreise zu unternehmen.
Belgien droht mit Blockade
Ähnlich schwierig wie über dieses Sanktionspaket gestalten sich die Verhandlungen über das eingefrorene russische Vermögen. Der belgische Premierminister Bart De Wever drohte beim Gipfel mit einer Blockade dieses Schritts, falls seine Forderungen nicht erfüllt würden. Belgien ist bei dem Thema ein zentraler Akteur, weil das dort ansässige Finanzinstitut Euroclear derzeit einen großen Teil der in der EU eingefrorenen russischen Vermögenswerte verwaltet und in Haftung genommen werden könnte.
Merz zeigte Verständnis für die Bedenken. Sein Vorschlag treffe zwar auf große Zustimmung, es gebe aber auch «ein paar ernstzunehmende Einwendungen, über die wir sprechen müssen», sagte der CDU-Vorsitzende. Er gehe trotzdem davon aus, dass die Staats- und Regierungschefs bei dem Thema «einen Schritt weiterkommen». Beim letzten Gipfel in Kopenhagen vor drei Wochen hatte er sich noch deutlich zuversichtlicher geäußert und gesagt, es werde in Brüssel «aller Voraussicht nach dazu eine konkrete Entscheidung geben».