Er stolpert und steht wieder auf: Dieses Muster wiederholt sich bei Clinton. Skandal um Skandal überlebte er, widerstand gewaltigem Druck von Gegnern. Vor seinem 80. Geburtstag war er wieder im Fokus.
In Washington richteten sich die Scheinwerfer vor Monaten plötzlich wieder auf Bill Clinton. Der frühere US-Präsident, der von 1993 bis 2001 regierte, machte eine eidesstattliche Aussage vor einem Kontrollausschuss des US-Parlaments - eine Sensation. Das Thema war ein unangenehmes: Der Skandal um den New Yorker Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hatte neben vielen Prominenten und Einflussreichen auch den Demokraten erfasst.
Clinton kam nicht ins Kapitol, er sprach in seinem Wohnort Chappaqua im US-Bundesstaat New York mit dem Ausschuss, der den Epstein-Fall politisch aufarbeitet. Videoaufnahmen der Befragung wurden später veröffentlicht. Wird Clinton, der am Mittwoch (19. August) 80 Jahre alt wird, den Fall Epstein hinter sich lassen können?
Trump lenkte von sich ab und zeigte auf Clinton
Als das Ausmaß des Skandals um Multimillionär Epstein, der über Jahre einen Missbrauchsring betrieben hatte, immer größer wurde, zeigte vor allem einer mit dem Finger oft auf Clinton: Donald Trump. Eigentlich hat dieser nach eigenen Angaben Respekt vor dem Ex-Präsidenten. «Ich mag Bill Clinton», sagte der amtierende US-Präsident im Dezember 2025. «Ich war nett zu ihm. Er war nett zu mir.»
Wollte Trump mit dem Fingerzeig von sich selbst ablenken? Denn auch er kannte Epstein. Bei der Aufarbeitung des Skandals, der viele Jahre zurückreicht, gerieten viele, die mit ihm in Kontakt standen, in den Fokus. Per se sagen Bekanntschaften erst einmal nichts aus, ebenso wenig wie Nennungen in den Ermittlungsakten. Der Ausschussvorsitzende hatte vor der Befragung Clintons gesagt, dass ihm und seiner Ehefrau Hillary, die auch aussagte, derzeit kein Fehlverhalten vorgeworfen werde.
Clinton bestreitet seit Jahren jegliches Fehlverhalten im Kontext seiner Bekanntschaft zu Epstein, der 2019 in einer Gefängniszelle starb. Auch von dessen Verbrechen will der Demokrat nichts gewusst haben. Den Aussagen der Clintons ging ein Tauziehen voraus. Die beiden sprachen von einem politisch motivierten Verfahren, weigerten sich zunächst, auszusagen. Inzwischen ist es medial etwas ruhiger um die Epstein-Untersuchungen geworden.
Clinton: Ich bin ein «Comeback-Kid»
Clintons politisches Leben ist begleitet von Gerüchten, Scharmützeln, Anwürfen, Intrigen und Skandalen. Er stolperte und stand wieder auf. Selbst ein Amtsenthebungsverfahren im US-Kongress konnte ihm nichts anhaben. Er gab sich selbst mal den Spitznamen «Comeback-Kid» - also jemand, der sich immer wieder zurückkämpft.
Die «Washington Post» schrieb vor Monaten, dass das Ehepaar Clinton jahrzehntelange kritische Beobachtung und zahlreiche Verschwörungstheorien überstanden habe. «Oft sind es ihre Gegner, die am Ende den Kürzeren ziehen.» Clinton spricht in seinem autobiografischen Buch «Citizen» von «Angriffen unter der Gürtellinie», mit denen sich seine Familie auskenne und die sie verletzt hätten.