Zwar hat sich das Paar über 15 Jahre in vielen Ländern und bei vielen Problemen unterstützt – doch nur so lange, wie Hal karrieretechnisch vorne war, hat dies funktioniert. Zu Serienbeginn badet er in Selbstzweifel und Neid und tut alles dafür, wieder an die Macht zu kommen.
Welcher Serien-Charakter sticht besonders hervor?
Vor allem die spätere US-Präsidentin Grace Penn (gespielt von Allison Janney). Sie glaubt aufrichtig, im Guten für die Menschheitsgeschichte zu entscheiden und zu handeln, auch wenn dies bedeutet, Leben von unschuldigen Menschen zu opfern. «Wenn alle Fakten offen gelegt werden, stehe ich nicht so mies da», betont sie etwa in Staffel drei.
«Sie hat bereits bewiesen, dass sie als Frau zu knallharten Entscheidungen fähig ist – zu höchst komplexen Entscheidungen, die viele Menschen betreffen», erläuterte Janney ihre Rolle in einem Interview mit «Entertainment Tonight». «Sie wurde – wie Frauen das eben oft erleben – stets unterschätzt, doch genau das ist heute gewissermaßen ihre Superkraft.» Penns Handlungen im Graubereich zwischen Gut und Böse, genau wie die von Machtmensch Hal Wyler, sind die Essenz der Serie. Was ist richtig, was ist schlecht, was ist nötig?
Wer wirkt noch an der Serie mit?
Bradley Whitford hat eine besondere Serien-Geschichte mit Allison Janney. Bekannt sind sie zuletzt zwar eher für ihre Rollen in «The Handmaid's Tale» (Whitford bekam dafür einen Emmy) sowie den Film «I, Tonya» (Oscar und Golden Globe für Allison Janney). Aber sie besetzten schon mal Hauptrollen in einer Politikserie und wurden dafür mehrfach mit Emmys ausgezeichnet.
In «The West Wing» spielte Whitford über sieben Staffeln von 1999 bis 2006 den Vollblut-Politiker Josh Lyman, einen Berater und Spin-Doktor des Präsidenten, und Janney die Pressesprecherin C.J. Cregg, die sich nach und nach hoch bis zur Chief of Staff des US-Staatsoberhauptes vorarbeitet.
Da mit Serienschöpferin und Showrunnerin Debora Cahn sowie Regisseur Alex Graves weitere kreative Köpfe von «West Wing» bei «Diplomatische Beziehungen» mitwirken, gilt die Serie quasi als «West Wing»-Reunion. Ein Highlight für Fans dürfte die neue Konstellation der beiden Schauspieler Janney und Whitford sein: Sie spielen nun ein ungleiches und konfliktreiches Ehepaar.
«Es fühlt sich an, als würde man einen alten Pyjama anziehen», beschrieb Allison Janney die gute Zusammenarbeit in einem Interview mit «Entertainment Tonight».
Wie geht es weiter?
Die von Anfang an eh schon schwierige Beziehung von Diplomatin Kate Wyler und ihrem zum US-Vizepräsidenten ernannten Mann Hal – zum einen als Ehepaar, das sich eigentlich getrennt hat, und zum anderen als Politiker – verkompliziert sich zusehends.
Kate vermutet, dass Hal mit der Präsidentin Weltherrschaftspläne schmiedet und sie dafür ausnutzt. Und auch die Beziehung des Präsidentenpaares wird strapaziert – zum Glück für den Zuschauer in herrlich schlagkräftigen Dialogen.
Und da ist noch die Verwirrung um eine verschwundene atomare Unterwasserbombe der Russen, wie Kate Wyler zu Beginn der vierten Staffel erfasst: «Sie werden völlig ausrasten, wenn sie feststellen, dass ihre Apokalypse-Waffe verschwunden ist – und sie werden das Vereinigte Königreich angreifen.»