Zurück nach 16 Jahren: Im "Scrubs"-Comeback trifft eingespielter Humor auf eine neue Generationen und veränderte Realitäten. Das funktioniert hervorragend.
Es ist eine Zeitreise nach Hause, und man kommt ziemlich schnell an: Die Erfolgs-Sitcom "Scrubs" kehrt nach 16 Jahren Pause zurück. Mit dabei sind die Stars von damals und das Gefühl, dass in den neuen Folgen alles wie früher ist. Nur eben komplett anders. Ab 25. März versuchen Zach Braff, Sarah Chalke und Donald Faison bei Disney+ den Spagat zwischen Nostalgie und Moderne - und machen dabei eine ziemlich gute Figur.
In 16 Jahren kann zugleich viel passieren und nichts. Das "Sacred Heart"-Krankenhaus steht jedenfalls noch und sieht aus wie immer. Serienschöpfer Bill Lawrence ("Ted Lasso", "Shrinking") und Showrunnerin Aseem Batra ignorieren nämlich die Ereignisse der bis anhin letzten Staffel, die nach einem Senderwechsel unter anderem zum Abriss des "Sacred Heart" geführt hatten. Das wurde nicht nur von der großartigen Band Kraftklub als "Unzumutbarkeiten wie die neuen Folgen Scrubs" gegeißelt, sondern kam auch bei den anderen Fans überhaupt nicht gut an.
Nun muss sich jedenfalls niemand mehr grämen, auch wenn JD (Zach Braff) anfangs gar nicht dort arbeitet, sondern sich als Privatarzt für gut Betuchte in der Nachbarschaft langweilt. Durch einen Zufall schaut er kurz im "Sacred Heart" vorbei und sieht, dass die Dinge dort ihren gewohnten Gang gehen.
Alles ist wie immer und doch völlig anders
Ein großer Teil des Personals ist geblieben und älter geworden, hat jetzt andere Probleme als früher, sich im Kern aber kaum verändert. Mit Dr. Turk (Donald Faison) kann JD immer noch am besten abhängen, mit Elliot (Sarah Chalke) Beziehungssachen klären, und sein alter Mentor Dr. Cox (John C. McGinley) ist nicht weniger griesgrämig geworden. Mit Dr. Park (Joel Kim Booster) bekommt JD einen neuen Gegenspieler, der mit herrlich bösen Kommentaren etwas Würze in die Wohlfühloase bringt.
Der Nostalgiefaktor ist hoch, doch zum Glück hat "Scrubs" keine Angst vor Veränderungen. Also gesellen sich eine ganze Menge neue Gesichter zum alten Personal - und die tun der Serie gut. In 16 Jahren verändert sich nicht nur die Medizin, es wächst auch eine neue Generation Ärzte heran, die viele Dinge anders macht.
Die Probleme ändern sich, das Chaos bleibt, wenn plötzlich Social Media in den OP Einzug hält, die Work-Life-Balance beachtet werden muss, oder eine Mental-Health-Beauftragte (Vanessa Bayer) dafür sorgt, dass sich jeder wertgeschätzt fühlt - koste es, was es wolle. Ohne ideologische Verbitterung dürfen sich die in die Jahre gekommenen Boomer und die Gen Z gegenseitig auf die Schippe nehmen, ohne dass die Witze der einen aus der Zeit fallen und die Reaktion er anderen übersensibel ist.
"Scrubs" schafft es spielend leicht, den nostalgischen Mix aus Humor, JDs Traumsequenzen und ersten Momenten in die Gegenwart zu übertragen. Mit all dem albernen Slapstick und der Emotionalität, die schon immer dazugehört haben.