Das transatlantische Vertrauen steht auf dem Prüfstand. Bei "Markus Lanz" berichtete Journalist Holger Stark, dass der Bundesnachrichtendienst in der Vergangenheit Gespräche an Bord der "Air Force One" abgehört habe. Eine Enthüllung, die selbst Moderator Markus Lanz überraschte.
Die Spannungen zwischen den USA und Europa nehmen weiter zu. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos ließ US-Präsident Donald Trump erneut aufhorchen: Er bekräftigte seinen umstrittenen Anspruch auf Grönland - ein Schritt, der auf massive Kritik aus Europa stößt. Für Markus Lanz war das am Donnerstagabend Anlass genug, um in seiner ZDF-Sendung über die strategisch bedeutende Arktisinsel und Trumps Konfrontationskurs zu diskutieren.
Schon zu Beginn machte Journalistin Sabine Adler deutlich, wie sehr sich die politische Tonlage unter Trump verändert habe: "Diese Agenda, die jeden einzelnen Tag gesetzt wird (...) mit einer immer neuen Unverschämtheit (...), das ist echt atemberaubend." Auch "Zeit"-Vize Holger Stark warnte vor einer tiefgreifenden Veränderung in der amerikanischen Gesellschaft: "Das Land möchte jemanden wie Donald Trump an seiner Spitze haben. Es möchte auch diese Gemeinheiten gegen die liberalen Eliten sehen und spüren."
CNN-Korrespondent Frederik Pleitgen erklärte Trumps Haltung gegenüber Europa derweil mit einem grundlegenden Misstrauen, da "die Europäer jahrzehntelang auf Kosten der Amerikaner ihre Sicherheit finanziert haben" und "nie genug zurückgegeben haben". Trump sehe Europa daher "vor allem als Rivalen zu den USA" und sei sich bewusst, "dass er ziemlich weit gehen kann mit den Europäern".
Auch SPD-Politiker und Ex-Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt zeigte sich überzeugt, dass Trump wenig Verständnis für die Europäische Union habe. Lanz widersprach: "Ich habe das Gefühl, er versteht das ganz genau! Er versteht das zu gut für meinen Geschmack." Schmidt erklärte jedoch: "Dass wir freiwillig Macht an so eine komische supernationale Institution abgeben, das ist etwas, was er (...) nicht versteht - im Sinne von: 'Warum tut ihr das?'"
Sabine Adler: Trumps Grönland-Forderung ist für Russland "eine wahnsinnig schlechte Nachricht"
Warum aber ist die Arktis plötzlich so umkämpft? Pleitgen verwies auf die langfristige Strategie Moskaus: "Die Russen militarisieren die Arktis schon lange. (...) Für Russland ist das ein total strategisch wichtiger Ort." Auch für die USA sei die Region laut Pleitgen sicherheitspolitisch bedeutend. Sabine Adler ergänzte, dass genau dies Putin "beunruhigen" könnte. Trumps Grönland-Pläne seien demnach für Russland "eine wahnsinnig schlechte Nachricht", da die Arktis ein zentraler Sicherheitsfaktor für die russische Wirtschaft sei.
Lanz zeigte sich gerade deshalb überrascht über das Schweigen aus dem Kreml. Die Vermutung von Sabine Adler? "Putin braucht Trump für sein richtig großes Ziel - nämlich die Ukraine endlich einzukassieren." Dieses Denken in Hemisphären sei gleichzeitig etwas, an dem Donald Trump Gefallen finden könnte "und für das er eben auch seine Verbündeten möglicherweise sausen lässt".
Im weiteren Verlauf der Sendung ging es auch um das Wirken des Bundesnachrichtendienstes. Lanz fragte ungläubig: "Der BND hat Barack Obama abgehört?!" Journalist Holger Stark bestätigte: "Ja, immer dann, wenn er konnte. Und er konnte nicht in Washington. Er konnte aber dann, wenn Barack Obama an Bord der 'Air Force One' (...) gewesen ist und von dort aus Gespräche geführt hat. Da hatten die Amerikaner Schwierigkeiten, die zu verschlüsseln." Lanz reagierte überrascht und fragte in Richtung Wolfgang Schmidt: "Wussten Sie das?" Der Ex-Kanzleramtschef wiegelte sofort ab: "Nein!"