Diese Bratwurst legen viele Deutsche im Sommer auf den Grill. Nach der Übernahme durch Tönnies wird das Werk geschlossen - und um die Marke ist ein Streit entbrannt.
Knapp 50 Jahre lang wurden in Britz bei Eberswalde, etwa 50 Kilometer nordöstlich von Berlin, Fleisch- und Wurstwaren unter der Marke Eberswalder hergestellt. Berühmt sind vor allem die Rostbratwürste mit und ohne Darm, die deutschlandweit auf vielen Grills landen.
Seit 1977 prangt der Schriftzug "Das Original aus Brandenburg" über dem Fabriktor, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Doch nun steht das Ende bevor: Die Premium Food Group, kontrolliert von Clemens Tönnies und seiner Familie, gibt die Produktion am Standort Ende Februar auf. Ein Hersteller von Nürnberger Rostbratwürsten wurde derweil an einen chinesischen Konzern verkauft.
"Unterste Schublade": Kritik an Tönnies wegen Schließung - 500 Arbeitsplätze fallen weg
Bereits bei der Übernahme durch die Zur Mühlen Gruppe im Juni 2023 hätten viele Beobachter mit dieser Entwicklung gerechnet, zitiert die FAZ langjährige Kenner des Werks. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) wirft dem Konzern Wortbruch vor. "Er hat gewusst, worauf er sich einlässt – und versprochen, den Betrieb zu erhalten", erklärt Uwe Ledwig, Vorsitzender der NGG im Landesbezirk Ost, laut Bauernzeitung. Die Übernahme sei damals "die einzige Alternative zur Schließung gewesen. Alle wussten: Tönnies oder Stilllegung."
Nach Angaben der FAZ rechtfertigt das Unternehmen die Schließung mit dem erheblichen Modernisierungsbedarf. Die mit Ammoniak betriebene Kälteanlage müsse für einen zweistelligen Millionenbetrag erneuert werden. Weitere technische Anlagen benötigten ebenfalls eine kostspielige Modernisierung. Die NGG bestätigt diese Darstellung grundsätzlich. "Die Größenordnung stimmt", sagt Ledwig zur Bauernzeitung und beziffert den Investitionsbedarf auf "mindestens 20 Millionen Euro". Ausschlaggebend sei vor allem die veraltete Kälteanlage, zudem sei der Energiebedarf des Werks "immens hoch".
Mehr als 500 Arbeitsplätze fallen demnach weg. Die Beschäftigten erhalten laut FAZ lediglich ein Viertel eines Bruttomonatsgehalts pro Beschäftigungsjahr als Abfindung. "Die Art und Weise macht es noch schlimmer: Die Leute nach 45 Jahren mit 15.000 Euro brutto nach Hause zu schicken, das ist unterste Schublade und eines Milliardärs unwürdig", kritisiert Ledwig gegenüber der Zeitung. Die niedrigen Abfindungen sind offenbar rechtlich möglich, weil die Zur Mühlen Gruppe bei der Übernahme 2023 eine neue Gesellschaft gründete. NGG-Vertreter Ledwig sieht einen Zusammenhang mit der Übernahme des Produzenten The Family Butchers durch Tönnies im vergangenen Jahr. "Da war mir klar: Jetzt dauert es nicht mehr lange, bis Eberswalde stillgelegt wird", wird er in der Bauernzeitung zitiert.
Streit um Kultmarke "Eberswalder": Dürfen sie an anderen Orten hergestellt werden?
Während das Werk schließt, soll die Marke Eberswalder weiterbestehen. Die Produktion soll an andere Standorte verlagert werden. Aber dürfen Würstchen der Marke "Eberswalder" an einem völlig anderen Ort hergestellt werden? Die Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg (IHK) erklärte, dass sie die Inhaberin der Kollektivmarke "Eberswalder Würstchen" sei. Diese Marke sei an die Fertigung im Gebiet Eberswalde gebunden. Das Unternehmen EWN Wurstspezialitäten GmbH & Co. KG, das die traditionsreiche Wurstfabrik in Britz Ende Februar schließen möchte, vertreibt seine Erzeugnisse unter der Marke "Eberswalder".
Diese könne nach Ansicht der IHK Ostbrandenburg jedoch nicht losgelöst von der Kollektivmarke "Eberswalder Würstchen" an anderen Produktionsstätten verwendet werden. Der Wursthersteller sieht das anders. "Nach aktueller Planung sollen die Produkte der Marke an anderen ostdeutschen Standorten mit vornehmlich ostdeutschen Rohstoffen produziert werden", hieß es von EWN auf Anfrage. "Die Wort-Bildmarke "Eberswalder" befindet sich in unserem Besitz."