In der Talkshow "3nach9" berichtet Bärbel Bas über Politik, ihre Harley und eine etwas zu innige Begegnung mit dem englischen König. Dabei hat die Arbeitsministerin von der SPD freitagabends eigentlich anderes vor.
Wenn Bärbel Bas an ihre Schulzeit zurückdenkt, beschleichen sie gemischte Gefühle. Chemie hat sie gehasst, aber Sport konnte sie. Der bekennende Harley-Davidson-Fan spielte gerne Fußball. Heute ist Bärbel Bas Co-Vorsitzende der SPD und Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Viel Freizeit hat die MSV-Duisburg-Anhängerin nicht. An diesem Freitagabend ist sie Gast in der Talkshow "3nach9" von Radio Bremen.
Auch etwas Besonderes, sagt die 57-jährige Politikerin. Denn eigentlich fährt sie an so einem Abend nach Hause. Zum Glück hat sie einen Fahrer. Selbst zum Autofahren hat sie keine Muße. Sie liest Akten auf ihrem Heimweg. Und auch für ihre Harley hat sie keine Zeit. "Ich hänge sie ab und zu mal an den Strom", erzählt Bas. Fahren ist im Moment nicht drin, und wenn, dann nur alleine. "Die Harley hat einen Solositz. Selbst wenn ich wollte, könnte ich niemanden mitnehmen."
Bärbel Bas findet die SPD "stellenweise orientierungslos"
Bärbel Bas ist ein politischer Mensch. Und sie macht sich Sorgen um ihre Partei, die SPD. Die sei im Moment sehr verunsichert, vor allem angesichts der Gefahr schlechter Ergebnisse bei den fünf Landtagswahlen, die sie dieses Jahr zu bewältigen hat. "Stellenweise orientierungslos" sei die SPD im Moment, sagt Bas. "Ich bin viel unterwegs, und die Wählerinnen und Wähler fragen mich oft, wofür die SPD steht", erklärt die Politikerin.
Aber sie hat auch wahrgenommen, dass viele Menschen fordern, die Partei müsse wieder zu ihren alten Werten zurückkehren. "Das gilt besonders für die soziale Sicherheit. Wir erleben gerade eine Veränderung, zum Beispiel einen Rollback bei der Gleichstellung. Die haben viele Frauen vor mir in der Arbeiterbewegung erkämpft. Und wir merken gerade, das geht alles zurück." Um dagegen zu wirken, brauche es die SPD.
Doch die hat gerade bei den Arbeitern viel Vertrauen verloren, nicht zuletzt durch die Agenda 2010, die sie vor 22 Jahren beschlossen hat. "Als ich für den Bundestag kandidiert habe im Jahr 2009, bin ich dafür viel beschimpft worden, obwohl ich gar nicht dabei war", erzählt Bärbel Bas. Heute erlebt sie, dass viele Arbeiter der AfD mehr vertrauen als ihrer eigenen Partei.
"Die AfD hat es leicht mit ihren populistischen Forderungen"
"Das macht eine Menge mit mir", sagt sie, "weil ich auch Angst habe, dass das weiter kippt. Man weiß ja, was diese Partei vorhat. Aber die AfD hat es auch leicht: Sie spaltet, sie definiert Gruppen, die sie für das Übel darstellen kann, und sie hat es leicht mit ihren populistischen Forderungen."
Bas nennt ein Beispiel: "Wir haben uns in Berlin fast zerlegt bei der Diskussion, ob wir das Rentenniveau bei 48 Prozent lassen oder auf 47 Prozent gehen. Da fordert die AfD einfach 70. Da fragt keiner, ob das finanzierbar ist oder nicht. Aber viele Arbeitnehmer sagen, dass ist richtig, denn die Rente ist eh zu wenig."