ZF baut auch künftig E-Auto-Komponenten in Schweinfurt, kündigt zugleich aber nötige Stellenstreichungen an. Die IG Metall spricht von "schmerzhaften Veränderungen" für die Belegschaft.
Aufatmen in Schweinfurt: Der Technologiekonzern ZF will zentrale Komponenten für elektrische Pkw-Antriebe weiterhin selbst herstellen. Wie das Unternehmen mit Sitz in Friedrichshafen am Dienstag (19. Mai 2026) mitteilte, sollen E-Motoren und Inverter auch künftig konzernintern produziert und nicht extern zugekauft werden. In Unterfranken sorgt die Bekanntgabe für Erleichterung. Die IG Metall sieht in der Entscheidung "ein wichtiges Signal für Schweinfurt" und eine große Chance für die Zukunft industrieller Wertschöpfung in der Region.
Für den Automobilzulieferer ist Schweinfurt ein wichtiger Produktions- und Entwicklungsstandort, an dem unter anderem Komponenten für Antriebs- und Fahrwerktechnik gefertigt werden. Wie andere deutsche ZF-Werke ist er zugleich von den Restrukturierungsmaßnahmen der sogenannten "E‑Division" (Elektrifizierte Antriebstechnologien) betroffen. Arbeitnehmervertreter verweisen darauf, dass Beschäftigte in den vergangenen Monaten intensiv für den Erhalt der Eigenfertigung eingetreten seien. Thomas Höhn von der IG Metall Schweinfurt zeigte sich beeindruckt von dem Einsatz der Belegschaft. "Darauf können die Beschäftigten stolz sein."
ZF produziert E-Auto-Komponenten weiterhin in Schweinfurt - aber weiterer Jobabbau geplant
ZF fertigt wichtige Teile für E-Autos auch künftig selbst. Der Konzernvorstand bestätigte damit eine Empfehlung aus einer Sonderprüfung, die im Rahmen der Restrukturierung durchgeführt worden war. Hintergrund ist die verhaltene Nachfrage nach Elektroautos, durch die die intern als "E-Division" bezeichnete Sparte in die Verlustzone geraten sei. Mit der Eigenfertigung will ZF Know-how sichern und die Abhängigkeit von externen Lieferanten verringern.
Auch strategische Aspekte wie technologische Souveränität, stabile Lieferketten und geopolitische Risiken spielten bei der Bewertung eine Rolle, wie aus der Pressemitteilung hervorgeht. Die Empfehlung zur Eigenfertigung wurde demnach in Gremien beraten, denen sowohl Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmervertreter angehörten. Nach Angaben des Unternehmens wurden bereits Kosten gesenkt, etwa durch mehr Automatisierung, geringere Komplexität und Lieferantenverhandlungen.
Trotzdem sieht ZF weiteren Handlungsbedarf. "Um vollständig wettbewerbsfähig zu werden, sind zusätzliche strukturelle Maßnahmen notwendig, einschließlich einer Anpassung der Personalkapazitäten", heißt es vonseiten des Zulieferers. Ende vergangenen Jahres hatte ZF einen tiefgreifenden Abbau von rund 965 Arbeitsplätzen in Schweinfurt angekündigt. Auch in Nürnberg wurde der Rotstift angesetzt: Dort soll sich die Belegschaft halbieren.
IG Metall kündigt weitere "schmerzhafte Veränderungen" für ZF-Belegschaft an
Die IG Metall Schweinfurt bewertet die ZF-Entscheidung gegen externe Zukäufe positiv. Damit blieben Teile der industriellen Fertigung im Konzern und in der Region erhalten. Die Gewerkschaft sieht in dem Fortbestehen der Eigenproduktion zudem ein Signal, dass Widerstand gegen den Abbau industrieller Strukturen Wirkung entfalten kann.
"Es lohnt sich, sich auf die Hinterbeine zu stellen und nicht einfach hinzunehmen, was Konzerne strategisch bereits vorbereitet haben", wird der Erste Bevollmächtigte Thomas Höhn in einer Mitteilung zitiert. Gleichzeitig macht der Funktionär deutlich, dass der Schritt mit weiteren Restrukturierungen und "schmerzhaften Veränderungen" verbunden sein wird.