A7A5 - hinter dieser Zeichenkette steckt kein "Star Wars"-Roboter, sondern eine russische Kryptowährung. Ist sie der Schlüssel zur Frage, warum Russland trotz Sanktionen seinen Krieg gegen die Ukraine finanzieren kann? Eine ARD-Recherche liefert verblüffende Hinweise.
Wie beruhigend: Von Kryptowährungen, gesteht Filmautor Peter Kreysler, hat er keine wirkliche Ahnung. Da geht es den meisten Zuschauerinnen und Zuschauern seiner ARD-Doku "Kryptokrieg - Wie Putin uns mit Bitcoins bekämpft" wahrscheinlich ähnlich. Weniger beruhigend: Auch das Gros der politischen Entscheidungsträger scheint beim Thema noch nicht sattelfest zu sein. Und das, so sagt es am Film-Ende der Grünen-Abgeordnete Konstantin von Notz, "ist ein echtes Sicherheitsproblem".
Die Frage, die am Anfang des ebenso sperrigen wie spannenden Beitrags steht, ist ganz simpel und lag wohl schon vielen auf den Lippen: Warum eigentlich geht Russland bei seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine das Geld nicht aus - trotz immer schärferer Sanktionspakete, trotz Ausschluss vom westlichen Zahlungsverkehr?
Die Antwort, so heißt es anfangs etwas mythisch, führt in eine "düstere digitale Parallelwelt". Wobei die gar nicht nach Science-Fiction aussieht. In Georgien besucht Filmautor Kreysler einen Mann namens Nikolo'z, der sich in einem Schuppen eine "Bitcoin-Farm" aus zahllosen Computern aufgebaut hat. Ein Jahr dauert es, bis Nikolo'z unter immensem Energieaufwand einen Bitcoin "geschürft" hat, wie das tatsächlich heißt. Diese Kryptowährungseinheit ist dann aber nach derzeitigem Kurs gut 50.000 Euro wert. Bei den niedrigen georgischen Strompreisen ein gutes Geschäft.
"Russland ist nicht vom internationalen Zahlungsverkehr abgeschnitten"
Unweit dieser "Bitcoin-Farm" dringt der ARD-Reporter mit versteckter Kamera zur georgisch-russischen Grenze vor. Er kommt mit armenischen Lkw-Fahrern mit Fahrtziel Russland ins Gespräch. Werden hier sanktionierte Güter an den Sanktionen vorbei transportiert? Die georgische Journalistin Nino Bakradze hat die Spur der Lastwagen untersucht und nährt den Verdacht. Sie sagt: "Russland ist nicht vom internationalen Zahlungsverkehr abgeschnitten, sondern zahlt mit Kryptogeld. Unbemerkt vom Westen."
In London trifft Kreysler den Krypto-Analysten Zach Tvarozna. Der ist überzeugt, Putin setze Kryptogeld als Waffe gegen das freiheitliche Europa ein. Etwa um Saboteure zu bezahlen, Parteien illegal zu finanzieren oder Wahlen zu beeinflussen. Vor allem mittels der eigenen russischen Kryptowährung, die ein bisschen nach "Star Wars" klingt: A7A5. Die sei "eine echte Bedrohung für die Stabilität der westlichen Finanzsysteme". Obwohl sie eigentlich in der EU streng sanktioniert ist.
Dann wird es konkret statt abstrakt. Tvarozna nimmt den ARD-Reporter mit nach Warschau, wo die Finanzregeln besonders locker sitzen. Hier kann er legal ein Experiment vorführen, bei dem einem als Betrachter die Spucke wegbleibt. Weil alles so einfach geht.
"Es besteht kein Zweifel, wir befinden uns in einem Kryptokrieg"
In drei Schritten zeigt der Experte, wie das Krypto-System funktioniert. Als Erstes kauft er mit Bargeld ein Smartphone. Als Zweites wählt er sich in einem Café ins WLAN ein und lädt ein Wallet herunter, ein digitales Krypto-Konto, völlig anonym und ohne Anmeldung. "Das ist doch krass", sagt Tvarozna. "Wir könnten diese Wallet-ID an jemanden in Russland senden. Der könnte uns riesige Mengen an Geld in Form von Kryptos schicken. Und ich könnte dieses Geld über dieses Smartphone erhalten und das Geld über einen Krypto-Geldautomaten ziehen."