Die Jagd liegt im Trend, doch wie seriös ist der neue Hype wirklich? Eine ARD-Reporterin besucht einen Jagdkurs im Selbstversuch und stößt dabei auf fragwürdige Ausbilder, schnelle Prüfungen und eine erschreckend leichte Waffenfreigabe.
Zu jagen liegt derzeit besonders bei jungen Menschen im Trend. Auch in den sozialen Medien nimmt Jagd-Content stetig zu. Laut dem deutschen Jagdverband besitzen in Deutschland fast eine halbe Million Menschen einen Jagdschein, darunter zunehmend junge Leute und Frauen.
Die ARD-Reportage "Schießen, töten, posten: Wie gefährlich ist der neue Jagd-Hype?" will nun herausfinden, "welche Schattenseiten der Hype hat", und begleitet eine Reporterin undercover in einen Jagdkurs. Reporterin Lisa recherchiert zunächst online, wie man überhaupt zur Besitzerin eines Jagdscheins kommt und stößt auf Angebote, die versprechen, den Schein in nur zwei Wochen erwerben zu können. Nach einer Investition von 3.400 Euro beginnt sie ihre Ausbildung in einer privaten Jagdschule. Dabei dokumentiert sie fleißig undercover mit einer Kamera.
Schon nach wenigen Tagen wächst ihr Misstrauen. Einer der Ausbilder trägt Tätowierungen mit Wotansknoten und Thorshammer-Symbolen, die auch in der rechtsextremen Szene bekannt sind. Auf die Frage nach der Qualifikation der Lehrenden erklärt der Leiter, sie müssten ihm lediglich "in den Kram passen" - wenig beruhigend, wenn man bedenkt, dass es darum geht, mit Waffen zu hantieren.
"Die Prüfer sind nett, die wollen Jäger haben"
Auch die praktische Ausbildung wirft bei Reporterin Lisa Fragen auf. Statt der vorgesehenen 20 virtuellen Schüsse wird sie bereits nach zehn Durchläufen durchgewunken. "Ich war wahnsinnig schlecht da drin. Von zehn Schüssen war, glaube ich, einer gut. Alle anderen Schüsse waren sehr schlecht und ich hätte diese Tiere einfach nicht getötet, sondern schwer verletzt. Das wäre Tierquälerei gewesen", bilanziert die ARD-Reporterin in einem Eintrag ihres digitalen Videotagebuchs.
Kurz darauf steht die entscheidende Prüfung an. Der Moment der Ernüchterung folgt unmittelbar: Obwohl sie nicht überprüft, ob der Lauf der Waffe frei ist, besteht sie die Prüfung. Auf ihren wirklich groben Fehler angesprochen, erklärt ein Ausbilder lapidar: "Die Prüfer sind nett, die wollen Jäger haben." Lisa fasst ihre Erfahrung so zusammen: "Ich habe die Jägerprüfung bestanden, ohne einmal im Wald zu sein". Zugleich betont sie, dass sie sich nach diesem Crashkurs nicht zutrauen würde, auf ein Lebewesen zu schießen, auch wenn sie nun rechtlich in der Lage ist, Waffen zu erwerben und zu besitzen.
Tot durch einen Jagdunfall
Ein weiterer, sehr emotionaler, Schwerpunkt der Reportage ist die Geschichte von Wilfried, dessen Sohn bei einem Jagdausflug mit Freunden erschossen wurde. Vermutlich löste ein Jagdfreund des Sohnes den Schuss aus, die genauen Umstände sind jedoch weiterhin Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens. Wilfried selbst ist ebenfalls Jäger - wie auch sein Vater - hat sich nach dem Vorfall jedoch zurückgezogen. Unter Tränen sagt er über den Unfall seines Sohnes: "Der hatte null Chancen". Im Interview ergänzt er: "So viele Fehler auf einem Haufen haben dazu geführt, dass mein Sohn jetzt zwei Meter unter der Erde liegt - mit 23."
Wie es genau zu dem Schuss kommen konnte, bleibt ungeklärt, fest steht jedoch, dass der mutmaßliche Schütze seinen Jagdschein in einem Crashkurs erworben hat.