Politologin warnt bei Lanz vor russischen Angriffen: "Sobald der Krieg vorbei ist, haben wir ein Problem"

2 Min
Markus Lanz - 30.04.2026
Politologin Florence Gaub erklärte bei "Markus Lanz", dass Europa ein Problem habe, sobald der russische Angriffskrieg in der Ukraine vorbei sei.
ZDF / Markus Hertrich
Markus Lanz - 30.04.2026
Auch Militärexpertin Claudia Major warnte bei "Markus Lanz" vor einem "imperial" agierenden Russland.
ZDF / Markus Hertrich
Markus Lanz - 30.04.2026
Sanna Marin, die ehemalige Ministerpräsidentin Finnlands, erläuterte im Gespräch mit dem ZDF-Moderator, was die Finnen so widerstandsfähig macht.
ZDF / Markus Hertrich
Markus Lanz - 30.04.2026
Markus Lanz (links) diskutierte am Donnerstagabend mit Strategieberaterin Sanna Marin (zweite von links), Politologin Florence Gaub (Mitte), ARD-Korrespondentin Susanne Petersohn (zweite von rechts) und Miliärexpertin Claudia Major.
ZDF / Markus Hertrich

Bei "Markus Lanz" schlug Politologin Florence Gaub Alarm: Solange Russland in der Ukraine gebunden sei, fehle Moskau die Kapazität, Europa in ähnlicher Weise zu bedrohen. Doch genau darin liege die Gefahr für die Zeit danach, so die Expertin.

Obwohl ein Ende des Ukraine-Krieges weiter nicht absehbar ist, sorgt ein neues Detail für Aufsehen: Die von Russland angegriffene Ukraine bietet den USA im Nahost-Konflikt ihre Unterstützung an und schult Soldaten im Umgang mit ihrem Drohnenabwehrsystem "Sky Map". Ein deutliches Zeichen, wie Militärexpertin Claudia Major bei "Markus Lanz" klarstellte: "Was der Irankrieg zeigt, ist die enorme Verwundbarkeit von den traditionellen militärischen Ausrüstungen, unsere industrielle Langsamkeit, Abhängigkeit."

Politologin Florence Gaub griff den Gedanken auf und verwies auf die Konsequenzen für Deutschland: Mit hoher Geschwindigkeit werde an der "Verteidigungsreform in Deutschland" gearbeitet. Sie warnte jedoch, Europa profitiere derzeit davon, dass Russland militärisch gebunden sei. "Wir haben ein Verwundbarkeitsfenster, was ganz ehrlich von der Ukraine für uns noch so weit es geht zugemacht wird", sagte Gaub. "Solange Russland in der Ukraine gebunden ist, hat es nicht die Kapazitäten, uns so anzugreifen, wie es die Ukraine angegriffen hat. Sobald der Krieg vorbei ist, haben wir ein Problem."

Warnung von Militärexpertin Major: "Russland agiert imperial"

Grund genug für Lanz, genauer nachzuhaken: Wie realistisch ist ein russischer Angriff auf Europa? Major antwortete ohne Beschönigung: "Russland agiert imperial, das heißt, die wollen ihren Machtbereich ausweiten und sie agieren revisionistisch, also sie wollen Regeln verändern."

Für den ZDF-Moderator war das der Anlass, in seiner Sendung auch auf ein Land zu blicken, das in Europa als Musterbeispiel für Krisenfestigkeit gilt: Finnland. Militärexpertin Major erklärte in dem Zusammenhang, wie konsequent vor Ort Vorsorge im Bereich der eigenen Resilienz betrieben wird: "Es gibt eine gute Ausstattung mit Bunkern. Die Streitkräfte haben einen sehr starken Reservepool. Bei den einfachsten Sachen wird diese Resilienz, also diese Widerstandsfähigkeit, schon mitgedacht."

Entscheidend sei aber nicht nur die Infrastruktur, sondern die Haltung in der Bevölkerung. Major beschrieb ein tief verankertes Verantwortungsgefühl: In Finnland gebe es "dieses Bewusstsein: im Endeffekt sind wir für unsere Sicherheit selbst verantwortlich". Sanna Marin, die Finnland von 2019 bis 2023 als Ministerpräsidentin führte, verwies derweil auf die historische Erfahrung, die das Land nachhaltig geprägt habe: "Wir haben noch die kollektive Erinnerung an die Härten, die wir durchgemacht haben, aufgrund der Kriege gegen die Sowjetunion. Wir haben Land und Leben verloren und es gibt sehr viele traurige Geschichten in jeder finnischen Familie." Deswegen sei die Bereitschaft, "dem Land zu dienen und das Land zu verteidigen, sehr groß".

Sanna Marin: "Europa hat keine Vision, wohin dieser Krieg führen soll"

Gleichzeitig machte Marin klar, dass Finnland alleine nicht bestehen könne. Das Land sei "nicht sicher" - "ohne den Rest von Europa". Gerade deshalb sei der NATO-Beitritt Finnlands sowie die Unterstützung der Ukraine für sie von zentraler Bedeutung. Sanna Marin merkte energisch an, dass das angegriffene Land aktuell "für ganz Europa" kämpfe.

Ihr Vorwurf? "Europa hat keine Vision, wohin dieser Krieg führen soll, wo er endet." Stattdessen müsse man sich der Realität stellen und die Konsequenzen ziehen: "Es ist wichtig, der Wahrheit des Krieges ins Gesicht zu schauen und der Ukraine genau das zu geben, was sie verzweifelt braucht. (...) Wir können etwas tun. Wir müssen nicht nur da sitzen und warten."

Quelle: teleschau – der mediendienst