VW ist in China überraschend zurück an der Spitze, doch bei "Markus Lanz" wurde schnell klar: Der Erfolg wirft unbequeme Fragen auf. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) äußerte sich in der ZDF-Sendung am Dienstagabend hoffnungsvoll und warnte vor vorschneller Resignation.
Volkswagen sorgt in China für eine Überraschung: Im ersten Quartal 2026 kletterte die Marke vor Ort wieder an die Spitze und wurde erneut Marktführer. Möglich machte das eine konsequent ausgerichtete "In China, für China"-Strategie. Bei "Markus Lanz" war das am Dienstagabend Aufhänger für eine größere Debatte: Was bedeutet der China-Erfolg für Deutschland?
Wie der ZDF-Moderator irritiert feststellte, biete VW in China Modelle an, die in Deutschland nicht erhältlich seien. Ein Fakt, den China-Kenner Jörg Wuttke wie folgt erklärte: Die vergangenen zwei Jahre habe man "massiv investiert", um "chinesischer zu werden. Und deswegen hat man es geschafft, nicht vier Jahre zu brauchen, um ein neues Modell herzustellen, sondern zwei Jahre."
Lanz blieb skeptisch: "Es ist ja schön, wenn VW Erfolg hat, aber die Frage, was Deutschland davon hat, interessiert uns dann auch." SPD-Politiker Olaf Lies betonte daraufhin den Nutzen der China-Erfolge: "Wir haben ja davon profitiert, dass wir so erfolgreich in China waren." Dies sei "auch ein Benefit für den Konzern selbst" gewesen. Er bezeichnete das Comeback vor Ort als notwendig, denn: "Der Weg, den chinesischen Markt wiederzuerobern, der musste sein." Es sei ein "Riesenerfolg, überhaupt mal wieder den Fuß in der Tür zu haben". Wuttke ergänzte in dem Zusammenhang hoffnungsvoll: "Wir müssen die Transformationsphase hinbekommen."
Olaf Lies: "Wir müssen wieder Lust haben, erfolgreich zu sein"
Wuttke forderte konkret, in den kommenden Jahren schneller und anders zu bauen: "Wir müssen gucken, wie wir diese nächsten fünf bis sechs Jahre hinbekommen, dass unsere Firmen in China (...) lernen, anders zu bauen, schneller zu bauen, risikoreicher zu bauen." Das müsse dann am Ende in Deutschland ankommen.
Journalistin Kerstin Münstermann blieb skeptisch: "Ob Ihr Konzept tatsächlich dem deutschen Verbraucher und dem Wähler klarzumachen ist, habe ich Zweifel - weil der Arbeitsplatz ist weg." Olaf Lies widersprach: "Das ist er eben nicht." Er mahnte: "Aber aus Angst davor, dass ich es nicht vermitteln kann, eine Debatte nicht zu führen, wäre fatal." Lanz wiederholte die Worte der Journalistin: "Aber der Arbeitsplatz ist weg."
Lies konterte erneut: "Nein, das ist er eben nicht! Wo soll denn produziert werden? In deutschen Werken natürlich!" Der Ministerpräsident Niedersachsens warnte vor Resignation: "Ich glaube, wir machen einen Fehler, wenn wir dasitzen, zugucken und sagen: 'Dann schrumpfen wir halt, weil wir gegen den Wettbewerb, der kommt, nichts machen können.'" Deutschland müsse sich stattdessen "auf die Welle mit begeben und sagen: 'Wie können wir profitieren davon?'". Lies ergänzte: "Wir müssen wieder Lust haben, erfolgreich zu sein."
Olaf Lies: Das macht mir "große Sorgen"
Auch die Folgen des Irankrieges rückten am Dienstagabend in den Fokus der Sendung. Lanz wollte wissen, wie sehr die deutsche Wirtschaft und vor allem auch VW davon betroffen sei. Olaf Lies antwortete knapp: "Es ist wirklich fundamental." Deutschland brauche, so Lies, "dringender denn je (...) ein Stück Wirtschaftswachstum".