Wie schlagen sich die WM-Teams der Sender? Wir haben hingesehen: Die ARD lässt einen Mann im Regen stehen, im ZDF wird's sym-"badisch", und Magenta TV stellt den neuen Bundestrainer.
Man hat sich ja schon dran gewöhnt: Bei jedem Fußballereignis stehen inzwischen gefühlt mehr TV-Expertinnen und -Experten an der Seitenlinie und im Studio als Spieler auf dem Feld. Aber mehr ist bekanntlich mehr, und deshalb schicken die Sender passend zur XXL-WM ein XXL-Aufgebot: 20 Leute sind am Start, Kommentatoren und Vor-Ort-Reporter nicht mitgerechnet. Trainer, Innenverteidiger, Bestseller-Autoren und ein Radio - alles dabei. Wir haben die Auftritte analysiert.
Robin Gosens, Malte Völz und Alex Schlüter (ARD): Die im Regen stehen
Beim Vorrundenspiel Frankreich - Irak übertrieb es die FIFA mit der "Hydration Break": Mehr als zwei Stunden wurde die Partie unterbrochen, weil es schüttete und gewitterte. Gosens und Völz versuchten im ARD-Studio, die Zeit mit Dehnübungen zu überbrücken. Alex Schlüter bewies derweil im Starkregen vorm deutschen WM-Quartier Nehmerqualitäten. Kann mal jemand bei der Grimmepreis-Jury anrufen?
Halil Altıntop (Magenta TV): knackiger Kurzauftritt
Wurde vom Exklusiv-Rechte-Inhaber extra geholt, um die Spiele der türkischen Nationalelf zu analysieren. Der Job hatte sich dann nach der Vorrunde erledigt. Das unerwartete WM-Aus seines Teams kommentierte Altintop mit Wut im Bauch, Tränen in den Augen und auf den Punkt: "Ballverlust, Umschaltmoment, Ordnung verloren, zack, es klingelt." Darf sich schon mal warmmachen für die EM 2028.
Esther Sedlaczek und Bastian Schweinsteiger (ARD): Wie Yin und Yang
Esther Sedlaczek punktet auch bei der WM mit Fokus, Präzision, Wortgewandtheit. Also mit Fähigkeiten, die ihrem TV-Partner Bastian Schweinsteiger völlig abgehen. Der griff bei seinem Kommentar zur Spielweise der afrikanischen Teams bis zum Ellbogen in die Kloake. Und seine Analysen haben häufig auch nicht viel mehr Aussagekraft als ein Wandtattoo. Dafür singt er leidenschaftlich die Hits im Stadion mit und zeigte Laufbereitschaft, als er vorm Viertelfinale Frankreich - Marokko am Superstau vorbei zum Stadion joggte. Wäre vielleicht einer fürs DFB-Mittelfeld. Mag aber offenbar seine augenblickliche Aufgabe an Esthers Seite: "Ich hab' doch hier mit dir bei der ARD den schönsten Job der Welt."
Tabea Kemme und Laura Wontorra (Magenta TV): Vom Winde verweht
Kemme und Wontorra - da war doch was? Richtig: Beim EM-Spiel der Österreicher gegen die Türkei 2024 teilten sich die beiden einen Regenschirm, Wontorra nannte ihre Kollegin zärtlich "Schätzchen". Irgendjemand bei Magenta TV hat sich rechtzeitig zur K.-o.-Runde daran erinnert, befreite die Ex-Fußballerin aus dem ziemlich überflüssigen "Breakfast Club" und schickte sie nach New York zur Moderatorin auf die Dachterrasse. Gut so! Zwischen den beiden stimmt einfach die Chemie. Wontorra ist neben Kemme deutlich entspannter als neben den Alphatierchen Klopp, Hummels und Müller. Das Ergebnis: pointierte Analysen ohne lästige Gockelei. Nur eine kleine Bitte an die Maske: Hört auf Taktikfuchs Jan Henkel und gebt den Ladys beim nächsten Wind in New York einfach Haargummis!
Jan Henkel (Magenta TV): Taktik ist alles. Und alles ist Taktik.
Apropos Jan Henkel. Der analysiert bei dieser WM alles weg, was sich bewegt. Den Hund auf der VIP-Tribüne (Instagram-Star "Brodie"). Und die Laufwege der fünf Ordner, die beim Spiel Belgien - Senegal den "Messi der Flitzer" (25 km/h Höchstgeschwindigkeit, rund 150 gelaufene Meter) niederstreckten: "Es geht um Intensität, um Pressingverhalten, Schwarmverhalten, es ist alles drin." Der Mann hat's einfach drauf. Darf gerne künftig auch das Wetter vorhersagen, "Wetten, dass ...?" moderieren und die Deutsche Bahn sanieren.
Jürgen Klopp (Magenta TV): Bitte gib mir nur ein Wort
Ein Blick in die Geschichte zeigt: Ein Wort sagt oft mehr als hundert Sätze. Da drohte zum Beispiel so rund 337 v. Chr. Philipp II. von Makedonien den Spartanern, ihre Stadt zu vernichten, wenn er sie erobern würde. Die Antwort der Spartaner: "Wenn." Philipp marschierte nie ein.