Sandrine lebt seit Jahren mit Depressionen. In der ZDF-Doku "37°Leben: Comeback Psyche" spricht sie darüber, dass sie bei der Suche nach einem Therapieplatz die Hoffnung verlor und "endlos müde" war.
"Ich bin so viel mehr als meine Depressionen", sagt Sandrine in die Kamera. Im ersten Film der dreiteiligen "37°Leben: Comeback"-Reportage des ZDF gibt die 29-Jährige einen schonungslosen Einblick in ihr Leben mit Depressionen und erzählt, wie lange sie bereits mit der Krankheit kämpft.
Wenn Sandrine heute auf ihre Depression zurückblickt, weiß sie, "dass es schon sehr früh angefangen" habe. Bereits in ihrer Kindheit habe es Momente und Phasen gegeben, in denen die Krankheit "definitiv da war". Für die junge Frau fühlt sich die Depression wie "ein Sog" an, der sie immer weiter nach unten ziehe: "Egal was man macht, man kommt nicht hoch", beschreibt sie ihre Gefühlswelt.
Besonders schlimm wird es für Sandrine im Alter zwischen 17 und 18 Jahren. Sie weiß sich selbst nicht mehr zu helfen, kann nicht aufhören zu weinen und fühlt sich dauerhaft schlecht. Zum ersten Mal sucht sie psychologische Hilfe. Doch anstatt Unterstützung folgt eine Odyssee: "Wir wurden dann von Notaufnahme zu Notaufnahme geschickt, weil sich keiner so richtig verantwortlich gefühlt hat", erzählt Sandrine. Auch einen Therapieplatz zu finden, sei damals schwierig gewesen. "Da verliert man halt auch irgendwo so die Hoffnung", sagt sie rückblickend.
"Ich war so endlos müde"
Jahre später folgt der nächste schwere Rückschlag. 2023 sei Sandrine erneut in ein "Tief gefallen". Dieses Mal fühlt es sich jedoch noch heftiger an. Eine permanente Traurigkeit begleitet sie und macht den Alltag zur Herausforderung. Sogar der Sport, der ihr normalerweise Halt gibt, wird plötzlich zur Belastung. "Ich war so endlos müde", erinnert sie sich. Als Sandrine merkt, dass sie alleine nicht mehr aus diesem Tief herauskommt, holt sie sich Hilfe. Ihre Hausärztin empfiehlt ihr eine Tagesklinik.
Nach den Tagen in der Klinik wartet zu Hause ein ganz besonderer Halt auf sie: ihr Hund. Der Vierbeiner sei "wie ein Familienmitglied" und habe sie in dieser schwierigen Zeit immer wieder aufgefangen. Bei ihm kann Sandrine sogar für einen Moment etwas anderes als Trauer empfinden. Auch die Zeit in der Tagesklinik tut ihr gut. Langsam kann Sandrine wieder nach vorne schauen. Und auch an schwierigen Tagen gibt es inzwischen einen weiteren wichtigen Anker in ihrem Leben: ihre Arbeit. Die 29-Jährige arbeitet als Verwaltungsfachangestellte in einem Landratsamt. Ihre Kollegen, erzählt sie, schaffen es immer wieder, einen schlechten Start in den Tag mit einem positiven Impuls zu drehen. Damit geben sie ihr Kraft. Und Hoffnung.
"Ich bin trotzdem noch ein Mensch"
Über ihre Diagnose will sich Sandrine heute nicht definieren. "Ich bin trotzdem noch ein Mensch. Ich bin ein sportlicher Mensch. Ich bin ein lustiger Mensch", erklärt sie. Trotz aller Fortschritte weiß sie aber auch, dass ein neues Tief kommen kann. Dann müsse sie der Depression den Raum geben, den sie braucht. Schließlich, weiß Sandrine inzwischen, könne sie nur so auch wieder gesund werden.
Die gesamte Reportage "37°Leben: Comeback - Psyche" ist im ZDF streambar und ab Sonntag, 23. August, 9.03 Uhr im ZDF zu sehen.