Romanverfilmung im Free-TV: So haben Sie Jan Fedder noch nie gesehen

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Arnes Nachlass
Harald (Jan Fedder) und Elsa (Suzanne von Borsody) haben selbst drei Kinder, nehmen Arne aber nach dem Tod von dessen Familie auf.
ZDF/NDR/Hannes Hubach
Arnes Nachlass
Unter düsteren Himmeln: Harald (Jan Fedder, rechts) nimmt den traumatisierten Arne (Max Hegewald) in seiner Familie auf.
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Arnes Nachlass
Arne (Max Hegewald, links) hat eine neue Familie gefunden. Haralds (Jan Fedder, Zweiter von rechts) Kinder Lars (Sven Gielnik, Zweiter von links), Wiebke (Franziska Brandmeier, Mitte), und Hans (Dennis Mojen, rechts) begrüßen den sensiblen Jungen unterschiedlich.
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Arnes Nachlass
Elsa (Suzanne von Borsody) und ihr Pflegesohn Arne (Max Hegewald) unterhalten sich in der Küche.
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Arnes Nachlass
Arne (Max Hegewald) hatte einen Unfall - alle sind erleichtert, als er wieder zu sich kommt.
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Zum vierten Mal leiht Jan Fedder einer Siegfried-Lenz-Verfilmung sein Gesicht. Lenz' Spätwerk "Arnes Nachlass" ist ein tieftrauriges Jugend- und Familienstück, das als Film gerade so die Kurve kriegt zwischen bleiernem Melodram und authentischen, bewegenden Momenten.

Der Hamburger Ex-Kapitän Harald (Jan Fedder) unterhält einen Abwrack-Betrieb und lebt mit Frau Elsa (Suzanne von Borsody) und den drei Kindern im Teen-Alter in einer heruntergekommen Gegend an der Elbe. Dem Betrieb geht es schlecht. Und dann kommt noch ein persönliches Drama hinzu.

Die Familie nimmt den 16-jährigen Arne auf, der seine Eltern und die beiden Schwestern in einem Familiendrama verloren hat. Arnes Vater, ein Freund Haralds, vergiftete seine Angehörigen und sich selbst. Nur Arne überlebte durch einen Zufall. Nun soll der traumatisierte Junge ein neues Zuhause finden. Anlässlich des 100. Geburtstags von Siegfried Lenz am 17. März zeigt 3sat die Verfilmung eines Spätwerks des Autor von 1999: Im tieftraurigen Drama "Arnes Nachlass" (Mittwoch, 18. März, 22.25 Uhr) konnte Volksschauspieler Jan Fedder einmal mehr brillieren.

Tragische Geschichte eines Außenseiters

Arne (Max Hegewald) scheint ein bisschen aus der Zeit gefallen. Der intelligente, stille Junge verhält sich rücksichtsvoller, höflicher und förmlicher als andere Jugendliche. Die meisten seiner Altersgenossen finden das uncool. Auch das Sterben seiner Familie, an das er sich nur lückenhaft erinnern kann, macht Arne zum Außenseiter und Freak.

Während sich die Erwachsenen - Zieheltern, Lehrer und Psychologin - bemühen, dem Überlebenden vorsichtig Halt zu geben, spiegelt sich die von ihm erlebte Greueltat ungefilterter bei den Jugendlichen im Umfeld wieder. Lediglich Haralds ältester Sohn Hans (Dennis Mojen) vermag Arne gegenüber ein bisschen den großen Bruder zu geben. Der jüngere Lars (Sven Gielnik) ist vom seltsamen neuen Mitbewohner genervt, während die zickige Wiebke (Franziska Brandmeier) den ihr zugetanen Arne zum Objekt von Studien und Spielchen macht. Oberflächlich betrachtet scheint sich Arne, der hervorragende Leistungen in der Schule zeigt, trotzdem ganz gut zu erholen. Doch seine Verletzungen sind so tief, dass der Junge die harte Welt jugendlicher Riten und Regeln nicht verdauen kann.

Beim späten Lenz gibt's nichts zu lachen

"Arnes Nachlass", vom damals 87 Jahre alten Siegfried Lenz kurz vor der Jahrtausendwende veröffentlicht, erzählt eine tieftraurige Geschichte, die vor allem junge Menschen in ihrem Fokus hat. Die Rolle des Ziehvaters, Jan Fedders Part, wurde zugunsten des populären Schauspiel-Zugpferdes ein wenig aufgebockt und zum Erzähler des Ganzen gemacht. Der junge Berliner Schauspieler Max Hegewald fällt als Arne - in der eigentlichen Hauptrolle - positiv auf. Bereits in "Der Mauerschütze" von 2010, ein in Sachen Handlungsschwere und melodramatischer Ästhetik durchaus vergleichbares TV-Stück, konnte er in einer Rolle als junger Krebspatient im Endstadium das Interesse der Zuschauer wecken.

Ein Kritiker der "Zeit" bezeichnete Lenz nach der Lektüre von "Arnes Nachlass" als "größten Melancholiker der deutschen Gegenwartsliteratur". Die von Lenz gutgeheißene Verfilmung, die sich einigermaßen eng an die Originalgeschichte hält, lassen Autor Lothar Kurzawa (adaptierte auch die anderen ARD-Lenz-Verfilmungen) und Regisseur Thorsten Schmidt (drehte zwei späte Hallenser "Polizeirufe") zwischen realistischem Jugenddrama und poetischer Reise in den Abgrund schwanken. Unter einem düster gefilmten, zerrissenen Hamburger Himmel sieht man vor allem Wracks - menschliche in verschiedenen Altersgruppen sowie jene Boote und Schiffe, deren Zerlegung deutschen Abwrackern längst kein zum Leben reichendes Einkommen mehr bietet. Wie gesagt, beim späten Lenz gibt's nichts zu lachen. Dafür aber manch tolle schauspielerische Momente mitzuerleben, die anrührend von menschlicher Liebe und Schmerz erzählen.

Quelle: teleschau – der mediendienst