Mit "The Testaments: Die Zeuginnen" startet bei Disney+ nun die Serien-Adaption von Margaret Atwoods Nachfolgeroman zu "The Handmaid's Tale", während Prime Video die Geschichte um "The Boys" beendet. Welche Streaming-Highlights die kommende Woche noch bereithält, verrät die Übersicht.
Wer nach sechs Staffeln "The Handmaid's Tale" noch nicht genug von Leben und Gesellschaft des dystopischen USA-Nachfolgestaates Gilead hat, findet nun bei der Serien-Adaption "The Testaments: Die Zeuginnen" von Margaret Atwoods gleichnamigem Roman bei Disney+ eine Heimat. Es ist ein mutiger Perspektivwechsel ins Young Adult-Fach. Was die Streamer in den nächsten Tagen noch zu bieten haben, erfahren Sie in der Übersicht.
"The Testaments: Die Zeuginnen" - Disney+
Für alle, die sechs Staffeln "The Handmaid's Tale" durchgehalten haben, ist diese neue Serie gewiss Pflichtprogramm: In "The Testaments: Die Zeuginnen" (Start am Mittwoch, 8. April, Disney+), der Serie nach Margaret Atwoods gleichnamigem Roman, stehen nicht mehr die den wichtigen Männern der Gesellschaft dienenden Mägde im Mittelpunkt, sondern höhere Töchter an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Zu Beginn der Serie lernt man die fromme Agnes (Chase Infinity aus "One Battle After Another") kennen. Sie ist die Tochter eines privilegierten Commanders, lebt mit einer latent bösartigen Stiefmutter Pauila (Amy Seimetz aus "Sweet Tooth") und besucht Aunt Lydias (Anne Dowd) Schule für höhere Töchter.
Dort lernt man jedoch nichts über Literatur, Gesellschaft oder Naturwissenschaften, sondern wird zu einer Art Edelhausfrau erzogen. Zu Beginn der zehnteiligen ersten Staffel, die mit drei Episoden startet und dann mit Einzelfolgen bis Mittwoch, 27. Mai, fortgesetzt wird, bekommt Agnes einen Schützling an ihre Seite gestellt: Es ist Daisy (Lucy Halliday), ein sogenanntes "Pearl Girl" wie Konvertiten bezeichnet werden, die aus einem Land außerhalb Gileads kommt, sich aber für den Weg des streng religiösen Staates entschieden haben.
Die beiden Teenager stehen neben einigen anderen Mädchen aus der Klasse im Fokus der Erzählung, auch wenn es daneben etliche erwachsene Figuren gibt. Margaret Atwood, die an der Serie verantwortlich mitarbeitete, hatte bereits ihren späten Nachfolge-Roman "The Testaments" (2019) zu "The Handmaid's Tale - Der Report der Magd" (1985) literarisch ganz anders angelegt. Das Werk gilt als deutlich zugänglicher, Plot-getriebener und vom Ton einfach "jünger". Auch wenn Atwood nie sagte, dass sie bewusst einen Young Adult-Roman über das Leben in einem religiös definierten, frauenfeindlichen Faschismus-Staat schreiben wollte, sah die kluge Kanadierin sicher genau diesen Effekt: Wenn viele junge Menschen fasziniert vom Buch oder der neuen Serie "The Testaments" sind, werden sie sich entsprechend Gedanken über die deutlich spürbaren restriktiven Tendenzen vor allem in den gegenwärtigen USA machen.
"The Boys" - Prime Video
Man weiß in der absolut irren Comicverfilmung "The Boys" (Vorlage Garth Ennis, "Preacher") ja nie so recht, was zuerst da war: die Realität oder die Fiktion. Ging es anfangs um die menschlichen Makel von Superhelden, beschäftigte sich die Serie zunehmend mit der Dekonstruktion der US-Gesellschaft. Und so kommt in der finalen fünften Staffel (ab Mittwoch, 8. April, bei Prime Video), was kommen musste: Der oberste Superheld Homelander (Antony Starr) hält das ganze Land im Würgegriff - und nur eine Handvoll Versprengter kann dem Narzissten noch die Stirn bieten.
Homelander hat sich die Macht gesichert, wirtschaftlich und politisch. Gegner lässt er bei Razzien verhaften und in "Freedom Camps" stecken: Freiheit macht frei, steht über den Eingangstoren. Und auch sonst ist der Faschismus allgegenwärtig.
Nicht nur die mit aktuellem Kontext aufgeladenen Gewaltorgien machen das Finale von "The Boys" düster und trübsinnig. Die vom kantigen Butcher (Karl Urban), der abtrünnigen Superheldin Starlight (Erin Moriarty) und dem nicht mehr ganz so schüchternen Normalo Hughie (Dennis Quaid) angeführten Versprengten müssen sich fragen, wie viel Menschlichkeit sie sich noch leisten wollen im Kampf gegen eine Macht, die die Menschlichkeit ausmerzen will.