Grimm: "Das heißt, man muss sich schon anstrengen. Aber das heißt auch, dass man darüber hinaus denken muss. Wir werden gar nicht fertig sein, wenn wir am Arbeitsmarkt zusätzliche Anreize, das Arbeitsvolumen zu erhöhen, etabliert haben. Sondern wir müssen darüber hinaus noch ziemlich viel Weiteres machen, um tatsächlich wieder auf einen Wachstumspfad zu kommen." Im Grunde werde es darauf hinauslaufen, dass die Menschen mehr arbeiten müssten.
Stegner wünscht sich aber andere Regelungen als die Abschaffung des achtstündigen Arbeitstages, damit sich die Lage der Arbeitnehmer nicht verschlechtert. "Nehmen Sie als ein Beispiel das Thema Tarifautonomie. Wir haben das Tariftreuegesetz gemacht. Das wurde kritisiert, es sei Bürokratie", sagt Stegner bei "Maischberger".
Der Effekt sei jedoch: "Der Staat investiert, gibt viel Geld aus, und die Unternehmen, die davon profitieren, müssen Tariflöhne zahlen. Was kommt dabei raus? Die werden geschützt vor der Dumping-Konkurrenz, und die Bürger, die genug Geld haben, brauchen keine Sozialtransfers, sondern zahlen Steuern und Beiträge. Das ist doch viel besser, als zu diskutieren darüber, dass ich den Schwächsten was wegnehmen soll. Das ist doch keine vernünftige Sache, und es kommt am Ende was Gutes heraus. Und da müssen wir hin."
"Es muss insgesamt das Arbeitsvolumen steigen"
Doch das wird nicht helfen, wenn es nach Veronika Grimm geht. Denn sie sagt bei Maischberger: "Es muss insgesamt das Arbeitsvolumen steigen." Das Tariftreuegesetz lehnt Grimm ab, "weil das die Attraktivität der Unternehmen reduziert. Es erhöht noch mal die Arbeitskosten, und wir haben wirklich ein Problem mit der Wettbewerbsfähigkeit."
Ein Problem für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sei, wenn Deutschland immer mehr unter Druck geriete, weil es im internationalen Wettbewerb den Kürzeren zöge. "Und das passiert, wenn wir immer mehr regulieren, immer mehr Restriktionen etablieren. Dann investieren Unternehmen mehr im Ausland." Tatsächlich gehen laut Grimm die privaten Investitionen immer weiter zurück, während die öffentlichen Investitionen immer weiter ansteigen. Ihr Fazit: "Wir brauchen wettbewerbsfähige Industrie."
Die Menschen dürften bei den anstehenden Reformen aber nicht das Gefühl von Ungerechtigkeit haben, fordert Stegner. Für ihn ist wichtig, dass die Löhne nicht sinken. "Wir sind in Deutschland gut gefahren damit, dass wir anständig bezahlte Arbeit haben, dass wir qualifizierte Arbeit haben, und dass es uns gelungen ist, die Union davon zu überzeugen, dass Flüchtlinge, die zu uns kommen, jetzt endlich arbeiten dürfen." Das trage dazu bei, dass Migranten nicht auf Sozialleistungen angewiesen seien und helfe gegen den Fachkräftemangel.
Doch das allein werde die Wirtschaftslage in Deutschland nicht verbessern, unterstreicht Grimm. Die wirtschaftliche Lage ändere sich. In der Industrie, vor allem im verarbeitenden Gewerbe, würden Jobs abgebaut werden. Sie fordert neben einem späteren Renteneintrittsalter, auf neue Spielräume für Unternehmen zu setzen.
Beiden ist klar: Die Regierung hat noch viel zu diskutieren.
Quelle: teleschau – der mediendienst