Bei "Markus Lanz" (ZDF) geriet Katarina Barley am Dienstagabend wegen der jüngsten SPD-Wahlniederlagen massiv unter Druck. Als eine klare Botschaft und ein Plan von ihr gefordert wurde, rang die SPD-Politikerin um Antworten.
Nicht nur in Baden-Württemberg geriet die SPD zuletzt unter Druck: Auch die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz endete für die Sozialdemokraten mit einer herben Niederlage. Nach 35 Jahren an der Spitze des Landes musste die SPD die Staatskanzlei räumen. Die CDU gewann deutlich.
Markus Lanz wollte deshalb am Dienstagabend von Katarina Barley wissen, wie es für sie als SPD-Politikerin sei, "den Untergang Ihrer eigenen Partei mit ansehen zu müssen". Barley reagierte spürbar irritiert: "Da gehen Sie zu weit, wenn Sie das so formulieren!" Lanz bohrte angesichts der Wahlergebnisse weiter: "Wann wird das existenzbedrohend?" Er stichelte: "Wir reden nicht über die FDP hier!"
Barley versuchte zunächst, die Dimension zu relativieren, zumindest mit Blick auf Rheinland-Pfalz: Dort sei man "bei 26 Prozent. Also es ist jetzt nicht, als wären wir bei 5,5 Prozent." Lanz zeigte sich davon wenig überzeugt. Barley erklärte, sie wolle "die Situation überhaupt nicht kleinreden. Das ist sehr ernst." Gleichzeitig ärgerte sie sich über "diese Weltuntergangsszenarien", die ihrer Partei immer wieder angeheftet würden. "Es wird irgendwann auch eine Spirale", warnte sie.
Lanz konterte prompt: "Aber das kann man sich ja nicht mehr schönreden, was da passiert." Barley widersprach nicht grundsätzlich: "Nein, will ich auch gar nicht." Trotzdem verwies sie erneut auf die lange Regierungszeit in Rheinland-Pfalz: "Wir haben dieses Land jetzt 35 Jahre lang regiert - und ich finde auch sehr gut regiert."
Katarina Barley: "Es ist ein Auf und Ab"
Für Lanz passte das nicht zu den aktuellen Verlusten: "Das sehen die Wähler ja offensichtlich anders." Als Barley weiter argumentierte, wurde der Moderator noch schärfer im Ton: "Das ist ja albern!" Barley verwies daraufhin auf eine altbekannte Erzählung: "Dieses 'Die SPD ist tot' höre ich, seit ich eigentlich in der SPD bin." Das brachte Lanz erst recht auf: "Sie sind 1994 eingetreten! Da war Gerhard Schröder noch nicht mal geplant!" Barley entgegnete: "Ich höre es sehr, sehr lange. Und es ist ein Auf und Ab. Und es ist (...) tendenziell ein deutlicheres Ab als ein Auf."
Der ZDF-Moderator lenkte ein: "Verstehen Sie mich nicht falsch, ich wünsche Ihnen das nicht. Und ich finde, dass dieses Land eine starke SPD braucht." Dann setzte er nach: "Das ist doch jetzt wirklich existenziell, was passiert."
Auch Journalist Robin Alexander zeichnete ein düsteres Bild. Die SPD reihe seit Jahren "Niederlage an Niederlage", erlebe "in der Fläche Strukturbrüche" und sei vielerorts kaum noch präsent: "Die SPD gibt es in weiten Teilen dieses Landes nicht mehr." Sein Forderungskatalog war entsprechend kurz und hart: "Eigentlich braucht man jetzt eine Botschaft: Was ist der Plan?"