Der blanke Horror: Stanley Kubricks "Full Metal Jacket" ist einer der besten Filme über den Vietnam-Krieg.
"Mickey Maus führt unseren Klub ..." Ein kleines Lied aus einer heilen Kinderwelt schwebt über den brennenden Ruinen von Hue, einer südvietnamesischen Trümmerlandschaft nach der Tet-Offensive des Jahres 1968. Noch immer prangt auf den Helmen der singenden GIs der Wahlspruch, den die Ausbilder ihnen ins Gedächtnis gestanzt haben: "Born to kill" - Geboren, um zu töten. Meisterregisseur Stanley Kubrick inszenierte mit "Full Metal Jacket" ein ungeschminktes Bild der Zerstörung der Menschen, die als Killermaschinen in den Krieg geworfen werden und als seelische Krüppel heimkehren. Nun wiederholt Kabel Eins (Sonntag, 8. März, 23.40 Uhr) das zu den besten Antikriegsfilmen aller Zeiten zählende Vietnam-Drama.
Ein Ausbildungslager der US-Marines in South Carolina 1967: Sergeant Hartmans (Lee Ermey) Ausbildungsmethoden sind an Zynismus und Menschenverachtung kaum zu überbieten. Systematisch demütigt er seine Rekruten, zerlegt die unschuldigen Charaktere seiner Schützlinge, um sie anschließend als brutale Kampfmaschinen wieder zusammenzusetzen. Mit besonderer Bestialität behandelt er den seelisch ungefestigten Pyle (Vincent D'Onofrio), der am unmenschlichen Drill Hartmans zerbricht und sich das Leben nimmt.
Den Grausamkeiten des Ausbilders entkommen, gelangt eine Truppe von stumpfsinnigen Elite-Kämpfern zu ihrem Einsatzort in Vietnam. Lediglich der literarisch ambitionierte Soldat Joker (Matthew Modine) hat sich ein Stück seiner Individualität bewahrt. Seine Tagebuchaufzeichnungen schaffen anfangs das Bild von bösen Jungs, die auf alles schießen, was sich bewegt. Die erste Feindberührung hinterlässt jedoch tiefe Narben in den Seelen der Soldaten. Aus Killern werden Kinder, die in der Hölle des Krieges "Mickey Maus führt unseren Club ..." anstimmen.
Stanley Kubricks "Full Metal Jacket" verzichtet auf jedes den Krieg glorifizierende Element. Es ist ein schockierender, aufwühlender Film, eine fast ununterbrochene Abfolge von faszinierenden Bildern, mit einer grandiosen Besetzung. Und hinter allem steckt Kubrick, dessen geniale Gabe - und vielleicht Fluch - es ist, den Wahnsinn in uns allen zu erkennen und ihn so erschreckend normal erscheinen zu lassen.
Quelle: teleschau – der mediendienst