Seit dem Wochenende ist der Krieg gegen den Iran in eine neue Phase eingetreten. Am Dienstagabend hat Sandra Maischberger in ihrer ARD-Talkshow zwei Politiker zu Gast. Die Diskussion ist teilweise hitzig.
Sahra Wagenknecht hieß früher Sarah. Mit dem h hinten. Da lebte sie noch in der DDR. Dann habe sie beschlossen, ihren Namen zu ändern, schreibt ein Biograph. Die kommunistische Hardlinerin von einst wollte so ihre Solidarität mit dem arabischen Volk zum Ausdruck bringen. Israel und die USA konnte man in der früheren DDR nicht ausstehen. Wie denkt Wagenknecht heute nach dem israelisch-amerikanischen Militärschlag gegen den Iran?
Sandra Maischberger befragt die Gründerin des BSW am Dienstagabend dazu in ihrer Talkshow in der ARD. Auch zu Gast ist der ehemalige FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai. Er ist im Iran geboren und war elf Jahre alt, als er nach Deutschland kam.
"Die Gefahr ist riesengroß"
"Es ist eine Mischung zwischen Angst und Hoffnung", beschreibt Djir-Sarai das, was er in den wenigen Telefongesprächen von seinen Verwandten und Bekannten in Teheran hört. "Man hat Angst vor einem Krieg, vor einem großen Krieg, aber auf der anderen Seite haben die Menschen Hoffnung. Die Hoffnung, dass dieser Krieg dazu führen wird, dass die islamische Republik endlich zu Ende geht. Und das ist ja das, wofür die Menschen seit vielen Jahren im Iran kämpfen."
Sahra Wagenknechts Vater ist Iraner. Sie berichtet von Menschen, die Angst haben, bei diesem Krieg ums Leben zu kommen. "Die, die ich kenne, verurteilen das Mullah-Regime. Die wünschen sich nichts sehnlicher als eine demokratische Entwicklung. Aber ich kenne niemanden, der diese Militärschläge begrüßt. Und ich finde auch, die Naivität, wieder dieser Lüge auf den Leim zu gehen, dass man Demokratie und Freiheit herbeibomben kann, ist meines Erachtens nicht mehr nachvollziehbar."
Auch in Afghanistan, Irak und Libyen habe das nicht funktioniert. "Diese gestürzten Regime waren übel. Aber was danach kam, war noch übler. Das waren Chaos, Bürgerkrieg, unglaublich viel Blutvergießen." Über eine Million Menschen seien in diesen Kriegen getötet worden. Wagenknecht fürchtet die Ausweitung des Krieges gegen den Iran. "Und ich fürchte, dass der Iran zerfällt. Die Gefahr ist riesengroß." US-Präsident Donald Trump begehe mit den Militärschlägen auf den Iran ein unglaubliches Verbrechen. Denn er wolle keine Demokratie im Iran.
Djir-Sarai sieht das anders. Er verweist auf die Bilder jubelnder Menschen nach dem Tod des iranischen Staatschefs Chamenei. Auch er glaubt: Demokratie kann man nicht herbeibomben. "Aber wir haben heute eine starke Zivilgesellschaft im Iran. Und die junge Generation heute im Iran ist ganz anders und nicht vergleichbar mit den Generationen aus den Nachbarländern." Die junge Generation im Iran denke pro-westlich und pro-israelisch. "Diese Generationen wollen nicht mehr von Islamisten regiert werden. Sie wollen nicht mehr nach den Regeln der Scharia leben, sondern sie wollen eine westliche Demokratie."
Klar müsse aber auch sein: Würde der Iran eine Demokratie werden, seien die größten Verlierer Russland und China. "Das einige damit ein Problem haben, ist eine andere Sache", so Djir-'Sarai mit Blick auf die russlandfreundliche Wagenknecht-Partei.