Fehler sind Jens Spahn im ersten Jahr der schwarz-roten Regierung aber sehr wohl passiert. Der wohl größte bei der gescheiterten Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin. "Das hätte ihn um ein Haar den Kopf gekostet, politisch gesehen", ordnet Journalist und Podcaster Robin Alexander den Eklat im Bundestag ein. "Seitdem wird im Grunde darüber spekuliert, ob der Kanzler ihn ablösen sollte", weiß Tina Hildebrandt.
Spahn äußert sich in der Doku durchaus selbstkritisch: "Das Verrückte ist, ich kann jeden Schritt dahin erklären, warum es so gekommen ist, aber nichts davon entschuldigt das Ergebnis."
Lars Klingbeil verblüfft Filmemacher: "Sie wären bereit gewesen zu gehen?"
Mit seiner möglichen Ablösung wird im Film auch SPD-Chef Lars Klingbeil konfrontiert. Er stellt sich nach der Wahlschlappe in Rheinland-Pfalz den kritischen Nachfragen der Filmemacher. Natürlich seien Personalfragen "etwas, das an so einem Abend eine Rolle spielt". Er sei dankbar, "dass wir ein Präsidium haben, das wirklich ein Vertrauensraum ist", in dem man so eine Frage stellen und "ehrlich" diskutieren könne.
Erstaunt hakt der Interviewer ein: "Sie wären bereit gewesen zu gehen?" Klingbeil gibt zu Protokoll: "Ich habe eine Frage aufgeworfen. Wir können ja nicht so tun, als ob nichts passiert dann."
Ein ernst gemeintes Angebot, Verantwortung für die Wahlschlappen zu übernehmen? Hauptstadt-Journalistin Hildebrandt äußert Zweifel: "Es war die Botschaft: 'Oder fällt euch ein Besserer ein? Aha, keiner. Na also.' Das war ein typischer Klingbeil. Das war ein taktisches Machtmanöver."
"Es hat lange gedauert, bis die Regierung in der Regierung angekommen ist"
Die "Zeit"-Journalistin zieht am Ende des aufschlussreichen 45-Minüters ein gemischtes Fazit aus einem Jahr geräuschvoller und nicht selten frustgeplagter Regierungsarbeit: "Es hat lange gedauert, bis die Regierung in der Regierung angekommen ist. Man kann hoffen, sie ist es jetzt, und das ist jetzt das entscheidende Jahr." Robin Alexander stellt fest, dass Friedrich Merz nach den ersten zwölf Monaten im Kanzleramt ungewöhnlich unpopulär sei. "Er ist angetreten, das Blatt für die politische Mitte zu wenden. Noch hat er's nicht geschafft."
Jens Spahns Zwischenbilanz klingt ganz ähnlich: "Wir haben schon echt viel entschieden an Politikwechsel, aber es reicht offenkundig noch nicht. Wir müssen Kompromisse finden, die Deutschland wieder stark machen. Sonst haben wir es wirklich nicht gekonnt, und dann haben wir es ehrlicherweise nicht verdient, noch mal gewählt zu werden." Ob das "wir" ihn wirklich selbst einschließt, daran lassen die im Film getätigten Expertenaussagen freilich einen Restzweifel.
"Im Maschinenraum der Macht - Ein Jahr schwarz-rote Regierung" ist am Donnerstag, 7. Mai, um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen und schon jetzt in der ZDF-Mediathek. Weitere Protagonisten des Beitrags sind Innenminister Alexander Dobrindt, Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan sowie die Generalsekretäre Carsten Linnemann (CDU) und Tim Klüssendorf (SPD).
Quelle: teleschau – der mediendienst