Einmal im Monat bittet Rudi Cerne das ZDF-Publikum um Mithilfe bei der Aufklärung ungelöster Kriminalfälle. Wie viel Arbeit hinter einer einzigen Ausgabe der Fahndungssendung steckt, zeigt ein Blick hinter die Kulissen in München.
Draußen brennt am späten Nachmittag noch die Sonne, doch im Studio 3 auf dem Gelände der Bavaria Filmstudios im südlichen Münchner Stadtteil Grünwald ist es angenehm kühl. In etwas mehr als drei Stunden wird hier die ZDF-Fahndungssendung "Aktenzeichen XY ... Ungelöst" live gesendet. Mehr als vier Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer werden am heutigen Abend zur Juliausgabe einschalten, in der es unter anderem um den Fall der vermissten fünfjährigen Inga Gehricke geht. Seit 1967, damals mit Eduard Zimmermann, wenden sich Ermittlerinnen und Ermittler für Hinweise zur Aufklärung schwerer Verbrechen an das ZDF-Publikum.
Noch ist allerdings etwas Zeit, bevor ZDF-Moderator Rudi Cerne die Menschen vor ihren Fernsehern begrüßt. In und um das Studio herrscht jedoch schon reges Treiben: Maske, Kameraleute, Ton- und Lichttechniker, Redakteurinnen und Redakteure sowie Regisseurin Julia Möller und Aufnahmeleiterin Cordula Gruber machen sich bereit für eine letzte Probe. Gemeinsam mit dem Moderator und den bereits am Vortag angereisten Kommissarinnen und Kommissaren wird die Sendung in knapp einer Stunde ein letztes Mal durchgegangen: Sitzen alle Handgriffe, kennt jeder seinen Einsatz und seine Position?
Dem ein oder anderen der Ermittler merkt man die Aufregung dabei etwas an. "Ich versuche, ihnen die Nervosität zu nehmen", erklärt Rudi Cerne nach der Generalprobe: "Ich sage ihnen immer: Wir unterhalten uns miteinander und Sie lassen die Kamera außen vor, das ist mein Bereich." Der Moderator selbst zieht sich in der Pause vor der Livesendung ein wenig zurück, verrät er: "Damit ich mich noch mal auf meinen Text konzentrieren kann."
90 Minuten volle Konzentration
Wenige Minuten vor dem Start der Sendung sind schließlich alle wieder auf ihren Plätzen. Ein letztes "toi, toi, toi", dann zählt Aufnahmeleiterin Gruber ein und die Titelmusik ertönt im Studio und auf den Fernsehbildschirmen des Publikums. Für die Menschen vor und hinter der Kamera heißt es jetzt: 90 Minuten Konzentration.
Die Regisseurin ist währenddessen nicht im Studio, sondern im sogenannten Übertragungswagen auf dem Filmgelände. Von hier aus werden etwa Bild- und Filmeinspieler gesteuert und auch zwischen den einzelnen Kameraperspektiven hin und her gewechselt. Die Toningenieure, die ebenfalls in diesem Ü-Wagen sitzen, sorgen derweil dafür, dass unter anderem die Telefongespräche im TV nicht so laut zu hören sind wie im Studio.
Und die Telefone scheinen an diesem Abend kaum stillzustehen. Bis zum Ende der Sendung um 21.45 Uhr kommen unentwegt neue Hinweise zur vermissten Inga Gehricke, zu einem brutalen Mord im Allgäu, einem Raubüberfall in Bamberg und dem seit beinahe 30 Jahren ungelösten Mord an einer Millionärswitwe aus Essen an. LKA-Pressesprecher und "XY"-Experte Fabian Puchelt kann zum Schluss ein positives Fazit ziehen. Und dann, mit der letzten Kameraeinstellung, fällt im Studio eine gewisse Anspannung ab: Geschafft!
"Wir sind eine True-Crime-Sendung, die einen Sinn hat"
Insgesamt arbeiten mehr als 100 Leute an der Sendung mit. Viele von ihnen seien schon lange Teil des Teams, erzählt Ulrich Bentele, Geschäftsleiter der verantwortlichen Produktionsfirma Securitel, stolz. Dazu gehören nicht nur die Menschen im Studio, sondern auch all jene, die an der oft monatelangen Vorarbeit beteiligt sind. "Der Sendetag ist die Zuspitzung eines langen Arbeitsprozesses", macht die langjährige Redaktionsleiterin Ina-Maria Reize-Wildemann klar.