Blut ist nicht immer dicker als Wasser

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"Geheimkommando Familie"
Auf den ersten Blick scheint Ex-Marineoffizier Klaus Gremme (Alexander Held, zweiter von links) nicht wirklich in diese bunte Familie zu passen: Mona (Lisa Hagmeister, zweite von rechts) und ihre Kinder Claire (Amelie Gerdes) und Linus (Xari Wimbauer) stoßen mit dem kauzigen Alten an ihre Grenzen.
SWR/Barbara Bauriedl
"Geheimkommando Familie"
Lisa Hagmeister überzeugt in dem Film "Geheimkommando Familie" als zerstreute Single-Mom, die durchs Leben stolpert, aber alles für ihre Kinder tut.
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"Geheimkommando Familie"
Korvettenkapitän Klaus Gremme (Alexander Held) wird in den Ruhestand geschickt und weiß nun nichts mehr mit seinem Leben anzufangen. Er macht sich auf den Weg, seinen Sohn zurückzugewinnen. Held verkörpert einen Mann, der zu Beginn des Films nur noch ein Schatten seiner selbst ist ...
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"Geheimkommando Familie"
Seine Mutter ist überfordert, sein Vater ist nie da ... An wen kann sich Linus (Xari Wimbauer) mit seinen Problemen wenden? Schließlich wird er in der Schule gehänselt.
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"Geheimkommando Familie"
Amelie Gerdes spielt Claire, ein Mädchen mit großen Träumen.
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"Geheimkommando Familie"
Gremme (Alexander Held, links) kann hart durchgreifen und schnappt sich einen Jugendlichen, der in einer Tankstelle klauen will. Dieser Konflikt wird ihm im Laufe des Films noch zum Verhängnis ...
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"Geheimkommando Familie"
Linus (Xari Wimbauer, rechts) fehlt eine feste Vaterfigur in seinem Leben. Da kommt ihm der strenge Gremme (Alexander Held) gerade recht, der ihm hilft, sich in der Schule gegen seine Mobber zu wehren.
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"Geheimkommando Familie"
Sie hatten zwar einen schlechten Start, aber Claire (Amelie Gerdes) und Gremme (Alexander Held) finden im Laufe des Films zueinander - obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten.
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"Geheimkommando Familie"
Als Vater hat Gremme in der Vergangenheit versagt ... Daher schmiedet Klaus Gremme (Alexander Held, Mitte) nun einen Plan, um seinen Sohn Thomas (Nico Rogner), dessen Frau Nilgün (Halima Ilter, links) und Tochter Leila (Ava Petsch) von sich zu überzeugen.
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Ehemaliger Marineoffizier und Regelfanatiker trifft auf antimilitaristische Kunsttherapeutin: Na, wenn das kein Konfliktpotenzial birgt! In "Geheimkommando Familie", dem nun wiederholten Film von 2022, stehen zentrale Fragen wie "Was zählt wirklich im Leben?" und "Wo beginnt Familie und wo hört sie auf?" im Vordergrund ...

Marineoffizier Klaus Gremme (Alexander Held) fristet ein trostloses Dasein. Seine Stirn ist in viele Falten gelegt. In trauriger Einsamkeit genießt er sein morgendliches Frühstücksbrötchen an einem wackeligen Klapptisch. Ein trister Anblick - bis das Telefon klingelt und ihn aus einer Art Trance zu reißen scheint. "Bist du mein Opa?", tönt eine niedliche Kinderstimme aus dem Hörer. Ein Flüstern, das die Tristesse durchdringt und für den ersten Gänsehautmoment dieses Films sorgt, obwohl bis dahin weder Handlung noch Charaktere näher bekannt sind.

Doch die stimmungsvolle, fast melancholische Klaviermusik (Musik: Martina Eisenreich) im Hintergrund und die traurige Erscheinung des Offiziers wecken Mitgefühl. Klaus scheint keinen Kontakt zu seiner Familie zu haben. Was muss im Leben dieses Mannes passiert sein, dass es so weit kommen konnte? Unter der Regie von Christina Adler taucht der Betrachter in ein berührendes Familiendrama ein. Dreh- und Angelpunkt des ARD-Films "Geheimkommando Familie" (2022): Chancen und Bedeutung der Familie im Leben. Das Erste zeigt den Film als Wiederholung am späteren Dienstagabend.

Ehemaliger Marineoffizier und Regelfanatiker trifft auf antimilitaristische Kunsttherapeutin

Was passiert, wenn man jemandem das Einzige nimmt, das ihn morgens aufstehen hat lassen? "Schon als Kampfschwimmer durch außergewöhnliche Leistung im Gedächtnis geblieben, werden wir Korvettenkapitän Klaus Gremme, einen strengen, aber stets gerechten Ausbilder, vermissen", verabschieden seine Kameraden den Klaus ehrenvoll in den Ruhestand. Der Anfang vom Ende - so kommt es ihm jedenfalls zunächst vor.

Frisch pensioniert, steht der ehemalige Offizier vor einem Berg von Freizeit. Geplagt von nächtlichen Schlafstörungen und tagsüber gähnender Leere im Haus, fasst er sich eines Tages ein Herz und zieht - um geografisch näher bei seinem Sohn zu sein - in eine WG mit der antimilitaristischen Kunsttherapeutin Mona Tauber (Lisa Hagmeister), einer zerstreuten Mutter zweier Teenager. Damit hat nun wirklich niemand gerechnet ... - und Mona hält nicht viel von "Druck und autoritärer Erziehung". Da ist sie bei Klaus wirklich an der falschen Adresse. Denn: Er spricht zwar nicht von Druck, aber eben von Führung. Na, wenn das kein Konfliktpotenzial birgt?

Wo hört die Marine auf und wo beginnt die Familie?

Das Drehbuch von Simon X. Rost erzählt die Geschichte eines vom Leben gezeichneten Mannes. Ein harter Kerl, könnte man sagen. Ob der Regelfanatiker Klaus auch einen weichen Kern hat? Den können nur die quirlige Claire Tauber (Amelie Gerdes) mit Trisomie 21 und der zurückhaltende Linus Tauber (Xari Wimbauer) herauskitzeln - auf ihre ganz eigene, ebenso sensible wie direkte Art. Klaus' liebevolle Strenge scheint genau das zu sein, was Monas Familie fehlt. Und im Laufe des Films wird klar, dass Familienbande nicht immer an Blutsverwandtschaft gebunden sind.

Ganz der kauzige Alte macht er sich in all dem für ihn neuen Alltagschaos daran, den Kontakt zu seinem Sohn wieder aufzunehmen - etwas unbeholfen zwar, aber mit dem Herz am rechten Fleck. Seine Stalker-Allüren aus Angst, abgewiesen zu werden, sorgen für Heiterkeit. Eine gesunde Portion Humor darf in einem ARD-Degeto-Familienfilm eben nicht fehlen. Wird Klaus einen Weg finden, sich mit seinen Lieben zu versöhnen und eine Bindung zu seiner Enkelin aufzubauen? Immerhin hat er einen - in seinen Augen - ausgeklügelten Plan geschmiedet ...

"Geheimkommando Familie" - Di. 06.01. - ARD: 21.45 Uhr

Quelle: teleschau – der mediendienst