Der "Tatort: Innere Angelegenheiten" kam mit nur drei Schauplätzen in einer Nacht aus, in der die Freiburger Kommissare im Fall eines Disco-Mordes ermittelten. Es war ein besonderer Dreh. Übrigens: Auch andere berühmte Filme spielen auf engstem Raum.
Nein, es war kein klassisch experimenteller "Tatort", in dem die ausnahmsweise mal wieder rein innerstädtisch aktiven Schwarzwald-Kommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) in Freiburg ermittelten. Es ging um einen Toten in der Disko und die Rekonstruktion einer in ihrem Ablauf unklaren Tat.
Hinter der klassischen Krimikulisse - wer war's und warum? -verhandelte der "Tatort: Innere Angelegenheiten" zwei Subtext-Themen. Eines war eher cinematografisch, nämlich die Frage: Wird es langweilig, wenn ein Krimi an nur drei Orten spielt? Die andere ist, auch wenn es um einen rein "privaten" Mord geht, gesellschaftlich und gerade jetzt hochrelevant.
Worum geht es?
Ein Toter liegt im Nebenraum einer Freiburger Diskothek. Dringend tatverdächtig ist Intensivtäter Ramin Taremi (Omid Memar), der jedoch alle Schuld von sich weist. Das Opfer war Mitglied der Rocker-Szene. In einem Verhörraum hat Kommissar Berg den Haupttatverdächtigen in der Mangel. Er erhält Unterstützung durch seine Anwältin (Proschat Madani).
Vor der Diskothek hat Franziska Tobler derweil Mühe, die Rocker-Kumpels des Toten zurückzuhalten. Sie wollen Rache, während Angehörige des Verdächtigen im Club ausharren. Dann wären da noch fünf junge Bereitschaftspolizisten unter der Einsatzleitung des erfahrenen Wolle Heizmann (Andreas Anke). Offenbar ist sich die Einheit uneins darüber, was in dieser Nacht tatsächlich geschehen ist - und was davon in ihren Bericht soll. Unter einer Straßenbrücke stehen die Polizisten und streiten über diese Frage.
Worum geht es wirklich?
Das erfahrene Kreativduo Bernd Lange (Drehbuch) und Robert Thalheim (Regie) zeichnet verantwortlich für den während einer Nacht spielenden Fall. Zuletzt inszenierten sie fürs Südwest-Revier "Tatort: Der Reini". Neben der technischen Umsetzung, in der es darauf ankam, dass die Einsatzpolizisten einen ihnen bekannten Tathergang diskutieren, der Zuschauern jedoch nicht vor dem Krimi-Finale "im Klartext" mitgeteilt werden kann, geht es in diesem Film um Ehrlichkeit. Also darum, sich geradezumachen.
Tobler und Berg müssen gegen Kollegen ermitteln, was immer unangenehm ist, aber eben zu ihrem Job gehört. Er lautet: die Wahrheit herausfinden und sie der unabhängigen Justiz zu übergeben. Gerade in einer Zeit, da Fakten und Wahrheit für manche zu dehnbaren Begriffen verkommen sind, ein wichtiges Statement.
Welche berühmten Filme kommen mit minimalem Raum aus?
Kammerspiele sind bei Filmschaffenden und Kritikern respektive Zuschauern aus zwei Gründen beliebt: Zum einen kosten sie wenig und die Drehbedingungen sind gut zu kontrollieren. Dazu bauen sie zu einhundert Prozent auf eine gute Story, die sich über Dialoge und Schauspiel entfaltet. Der Klassiker ist natürlich Alfred Hitchcocks "Das Fenster zum Hof" (1954). Die von James Stewart verkörperte Hauptfigur, ein wegen eines Beinbruchs ans Zimmer gefesselter Fotograf, beobachtet darin aus seinem Fenster heraus Nachbarn und ist überzeugt, einen Mord entdeckt zu haben. Fast der gesamte Film spielt im Zimmer des Fotografen, der von dort in den Hof und die Wohnungen des anderen Hauses hineinblickt.