Seltsamer Diät-Trick? Wie Fast-Food-Videos beim Abnehmen helfen können

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Ein kurzer Blick auf das Smartphone reicht heute oft schon aus – und plötzlich tauchen überall Bilder von Burgern, Pizza oder Desserts auf. Eine Gefahr für jede Diät?

Viele Diät-Tipps warnen vor genau dem, was im Netz allgegenwärtig ist: Bilder von Burgern, Pizza und Desserts. Doch eine neue Studie stellt diese Annahme infrage. Sie zeigt: Ausgerechnet visuelle Eindrücke von ungesundem Essen könnten dazu beitragen, den Appetit zu zügeln – zumindest unter bestimmten Bedingungen. 

Zwischen Verbot und Versuchung: Warum Essensbilder plötzlich anders wirken

Diäten gelten als ständiger Kampf gegen das eigene Verlangen. Klassischer Rat dabei: Wer abnehmen will, sollte sich möglichst nicht mit Bildern von Essen umgeben, das als ungesund gilt. Doch diese einfache Regel gerät durch neue Forschung ins Wanken.

Eine aktuelle Untersuchung, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Computers in Human Behavior, kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Gerade Menschen, die aktiv versuchen, ihre Essgelüste zu unterdrücken, reagieren besonders stark auf Bilder von kalorienreichen Speisen im Netz.

Die Forscher beschreiben einen Effekt, den sie als "cross-modale Sättigung" bezeichnen. Die Idee dahinter: Allein das Betrachten von Essen kann das Verlangen nach tatsächlichem Verzehr senken – ohne dass überhaupt gegessen wird.

Der Blick auf Pizza und Kuchen: Wer wirklich reagiert

Um diese Wirkung zu testen, analysierten die Forscher mehrere Experimente mit insgesamt mehreren hundert Teilnehmenden. Dabei ging es unter anderem um die Nutzung eines simulierten Food-Blogs mit Videos von Koch- und Essensszenen.

Ein zentrales Ergebnis: Personen, die angaben, gerade zu diäten, klickten deutlich häufiger auf Beiträge mit ungesundem Essen als auf solche mit "gesünderen" Gerichten. Entscheidend war dabei weniger der bewusste Wille, sondern vielmehr der Umgang mit unterdrückten Essgedanken.

Je stärker Teilnehmende versuchten, nicht an bestimmte Lebensmittel zu denken, desto stärker wurden sie von entsprechenden Inhalten angezogen. Die Forscher sprechen hier von einem bekannten psychologischen Rebound-Effekt: Was verdrängt werden soll, drängt sich erst recht in den Vordergrund.

Im Labor getestet: Weniger Schokolade nach dem Scrollen

Besonders interessant wurde es im letzten Experiment, das unter kontrollierten Bedingungen in einem Labor stattfand. Studierende wurden zunächst dazu gebracht, entweder an bestimmte Süßspeisen zu denken oder diese bewusst zu unterdrücken.

Anschließend sahen sie unterschiedliche Food-Inhalte online. Danach stand ihnen unbeobachtet eine Schale mit Schokoriegeln zur Verfügung – frei zugänglich und ohne Einschränkung.

Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Die Gruppe, die zuvor Essensgedanken unterdrückt hatte und danach ungesunde Food-Clips sah, nahm weniger Schokolade. Wichtig dabei: Dieser Effekt trat nur bei "ungesunden" Inhalten auf, nicht bei gesünderen Varianten.

Ein möglicher Hebel für digitale Ernährungshilfen

Die Ergebnisse stellen gängige Empfehlungen infrage, wonach Menschen mit Diätzielen Essensbilder konsequent meiden sollten. Stattdessen könnte das genaue Gegenteil unter bestimmten Bedingungen funktionieren.

Die Forscher diskutieren die Möglichkeit, dass digitale Anwendungen künftig gezielt visuelle Reize einsetzen könnten – etwa in Apps zur Ernährungssteuerung. Der Gedanke: Statt Verbote könnten kontrollierte Reize helfen, den Heißhunger zu dämpfen.

Gleichzeitig betonen sie die Grenzen der Studie. Untersucht wurden vor allem junge Erwachsene in einer Laborsituation und mit Schokolade als Testlebensmittel. Ob sich die Effekte auf den Alltag oder andere Nahrungsmittel übertragen lassen, ist offen.

Vorschaubild: © CC0 / Pixabay / ThorstenF