Das Schweigen der Wiener

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Im Schatten der Angst
Die Gerichtsgutachterin Karla Eckhardt (Julia Koschitz) lässt sich mit dem Architekten Carsten Spanger (Justus von Dohnányi) in der Psychiatrie auf ein psychologisches Duell ein, das ihr alles abverlangt.
ZDF/ORF/ZDF/Tivoli Film/Hendrik Heiden
Im Schatten der Angst
Karla Eckhardt (Julia Koschitz) vor der Psychiatrischen Klinik in Wien: Es gilt, die Schuldfähigkeit eines Täters zu überprüfen.
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Im Schatten der Angst
Karla Eckhardt (Julia Koschitz) konfrontiert Carsten Spanger (Justus von Dohnányi, links) mit ihrem Verdacht, dass es ihm gar nicht um die zuletzt vermisste Frau gegangen sei.
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Im Schatten der Angst
Karla Eckhardt (Julia Koschitz, rechts) beißt bei ihrer Mutter Ursula (Patricia Hirschbichler) auf Granit, als sie über ihre Kindheit reden will.
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Im Schatten der Angst
Kommissar Axel Stauf (Johannes Zeiler, links) ist nicht gerade für Zurückhaltung und Samthandschuhe bekannt, doch das lässt Carsten Spanger (Justus von Dohnányi) unbeeindruckt.
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Im Schatten der Angst
Die Gerichtsgutachterin Karla Eckhardt (Julia Koschitz) und der gewiefte Architekt Carsten Spanger (Justus von Dohnányi) liefern sich auch vor Gericht ein psychologisches Katz- und Mausspiel.
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Im Schatten der Angst
Der Gerichtsgutachter Lodenscheidt (Johannes Silberschneider) erklärt den angeklagten Carsten Spanger für schuldunfähig, nachdem man zuvor Karla Eckhardt den Auftrag des Gutachtens erteilt hatte. Was wird hier gespielt?
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Die Gerichtsgutachterin Karla Eckhardt (Julia Koschitz) soll im nun wiederholten Film "Im Schatten der Angst" ein psychiatrisches Gutachten über einen möglichen Frauenvergewaltiger erstellen und wird mit ihrem eigenen Kindheitstrauma konfrontiert.

Wieder ein Psychokrimi. Im nun am späten Mittwochabend bei 3sat wiederholten Thriller "Im Schatten der Angst" (2019) liefert sich Julia Koschitz als psychiatrische Gerichtsgutachterin Karla Eckhart in einer geschlossenen Untersuchungsanstalt in Wien ein Duell mit einem möglichen Frauenvergewaltiger und Serientäter. "Im Schatten der Angst" ist durchaus packend, bekommt es die Psychologin doch mit einem angesehenen Erfolgsarchitekten zu tun, der just in dem Moment vom Ex-Freund des Opfers im Keller seines Hauses ertappt wird, als er sich mit Champagner und klassischer Musik, aber auch mit Klebeband und Fesselung an einem Opfer zu schaffen macht.

Dass an der Täterschaft des Architekten Carsten Spanger, dessen Zurechnungsfähigkeit geprüft werden soll, überhaupt ein Zweifel bestehen kann, ist dem sphinxhaften Spiel des Justus von Dohnányi zu verdanken, der mit teils tieftraurigen, teils verschlagenen Blicken durch die Brille allerlei geschickte Winkelzüge macht. Spanger redet sich - psychologisch mindestens ebenso so gewieft wie sein Gegenüber - aus allen Vorwürfen heraus. Er habe keineswegs vorgehabt, die geknebelte Frau zu vergewaltigen. Vielmehr habe er nur versucht, seine Entdeckung in letzter Sekunde zu verhindern.

Zudem bläst Spanger, darin nicht unähnlich seinem grausameren Vorbild Hannibal Lecter im "Schweigen der Lämmer", zum Gegenangriff. Ja, er habe Defizite, sie führten weit in seine Kindheit zurück. Streng sei die Mutter gewesen - nicht zuletzt, weil sie seinetwegen die eigene Schauspielkarriere aufgeben musste. Ein von der Psychologin gesichtetes Video, auf dem die Mutter den eigenen Sohn zum Spielpartner nimmt, soll hingegen beweisen, dass sie in Wahrheit einfach eine "schlechte" Schauspielerin gewesen sei, so zumindest das Urteil der Psychologin. Andererseits, so Spangers Argument: Habe nicht auch die Gerichtspsychologin ihre versteckten Traumata? Fürchte sie nicht die Außenwelt und ziehe sich in ihre Anstalt zurück, um sich nicht mit der eigenen Vergangenheit auseinandersetzen zu müssen?

Aus dem Wörterbuch der Psychiatrie

Das alles steht auf einigermaßen tönernen Füßen, ist aber dank des famosen Duos Koschitz / von Dohnányi ein recht spannendes Kammerspiel, das von Geheimnissen und Unwägbarkeiten lebt. Als dann aber die Psychologin und ihre polizeilichen Helfer die Ahnung überkommt, dass womöglich mehrere unlängst in der Donau aufgefundene Leichen Spanger anzulasten seien, kennt die Fantasie keine Grenzen mehr. Das Kammerspiel wendet sich zum hektischen Thriller, der kaum noch Überraschungen bereithalten kann.

So schwankt der intensiv inszenierte Psychostoff (Regie: Till Endemann) letztlich zwischen penibler psychologischer Erkundung und Serienkillerei. Mehr sei nicht verraten. Nur so viel noch: dass es nicht schaden kann, ein gutes Wörterbuch der Psychiatrie unter dem Arm zu halten. Wer soll schon wissen, was beispielsweise eine "affektive Impulskontrollstörung" ist? Und die jeweils im Zwischentitel genannte "Exploration" ließe sich sicher auch mit dem Wort "Untersuchung" ganz gut umschreiben.

Im Schatten der Angst - Mi. 29.04. - 3sat: 22.25 Uhr

Quelle: teleschau – der mediendienst