Das Erstellen von Deepfakes wird in Zeiten künstlicher Intelligenz immer einfacher. Das weiß auch Dr. Eckart von Hirschhausen. Mit seinem Gesicht wird im Internet tausendfach für vermeintliche "Wundermittel" geworben. In "Hirschhausen und die Deepfake-Mafia" geht er auf die Suche nach den Betrügern.
"Sie werden erstaunt sein, dass Sie Diabetes in nur 17 Stunden loswerden können, ohne ihr Zuhause zu verlassen", hört man Dr. Eckart von Hirschhausen in dem Video sagen. Es handelt sich um einen Ausschnitt aus einem Interview zwischen Ingo Zamperoni und Hirschhausen in den ARD-"Tagesthemen" - zumindest soll dies suggeriert werden.
Denn das Gespräch hat so nie stattgefunden, Hirschhausen das beworbene Präparat nie empfohlen. Es handelt sich vielmehr um einen Deepfake. Derartige Videos, in denen mit dem Gesicht oder der Stimme des Mediziners und Wissenschaftsjournalisten geworben wird, gibt es im Internet zuhauf. Sie alle werben für vermeintliche Heil- und Wundermittel gegen Schmerzen, Bluthochdruck oder andere Beschwerden. Doch dahinter stecken keine medizinische Neuentdeckungen, sondern ein dreister Fake.
In der ARD-Doku "Hirschhausen und die Deepfake-Mafia" geht der Mediziner dem Betrug auf die Spur. Er besucht Menschen, die Opfer der falschen Versprechen wurden und möchte herausfinden, wer hinter den Deepfakes steckt. Am Ende führt ihn diese Suche bis nach Brasilien.
"Diesen perfiden Vertrauensmissbrauch will ich nicht auf mir sitzen lassen"
Dabei muss er schnell feststellen: Die Opfer solcher Betrugsmaschen sind deutlich einfacher und schneller zu finden als die Betrüger. Eine von ihnen ist Christine. Sie hatte im Internet eine falsche Werbung mit Hirschhausen entdeckt und gehofft, auf ein neues wirksames Medikament gestoßen zu sein. Auch, dass Hirschhausen vermeintlich für das Mittel warb, habe dabei eine Rolle gespielt: "Ich glaube, ich hätte das nicht bestellt, wenn das irgendjemand gewesen wäre", betont sie.
Viktoria berichtet von einem ähnlichen Erlebnis. Die 80-Jährige bestellte im Internet ebenfalls eines der beworbenen Präparate. Das Versprechen: Ihr Diabetes Typ 2 solle mit der Einnahme geheilt, ihr Blutdruck stabilisiert und ihre Cholesterin-Werte normalisiert werden. Hirschhausen weiß: "Teilweise empfehlen die Betrüger sogar, ärztlich verordnete Medikamente wegzulassen. Das ist lebensgefährlich!"
Für Eckart von Hirschhausen steht nach diesen Berichten fest: "Diesen perfiden Vertrauensmissbrauch will ich nicht auf mir sitzen lassen." Eine Klage gegen den Konzern Meta blieb bislang erfolglos. Zwar gab ihm das Oberlandesgericht Frankfurt recht, dass Meta die angezeigten Fakes "aktiv suchen und löschen muss". Passiert sei bisher jedoch nichts. Doch es gibt eine neue Spur: Denn bei Hirschhausen hat sich ein Insider gemeldet. "Er wäre bereit, auszupacken", erklärt Hirschhausen und erhofft sich, durch das Gespräch besser nachvollziehen zu können, "wo die Strippenzieher sitzen".
Der Mann, den Eckart von Hirschhausen in Brasilien trifft, wird nur "Miguel" genannt. Es heißt, er habe zuletzt als Call-Center-Agent gearbeitet für eines der Unternehmen, die die vermeintlichen Wundermittel an Kunden vertreiben. Mittlerweile habe er sich mit seinem Arbeitgeber überworfen und wolle nun "das Richtige tun".