Die finanzielle Schere zwischen der Bundesliga und speziell der Premier League geht immer weiter auf. Trotzdem sind sich einige Bundesliga-Bosse in einer WDR-Doku einig: Die 50+1-Regel muss bleiben.
Auch wenn mit Bayern München und dem SC Freiburg zwei deutsche Klubs im Halbfinale der europäischen Wettbewerbe stehen, ist klar: Der Abstand der deutschen Eliteliga zu den anderen europäischen Top-Ligen wird immer größer. Finanziell gesehen ist vor allem die englische Premier League weit enteilt. Das liegt nicht zuletzt an der 50+1-Regel, die Investoren einen Einstieg von mehr als 50 Prozent der Vereinsanteile deutscher Klubs verbietet.
"Kapitalseitig sind es auch aufgrund von 50+1 - das muss man aussprechen - in den letzten zehn Jahren 15 Milliarden an Minderinvestments gewesen", rechnet Liga-Geschäftsführer Marc Lenz in der WDR-Doku "Inside Fußball - Wer kauft das Spiel?" vor. Trotzdem beharrt er auf 50+1 als Grundregel im deutschen Fußball. Und einige prominente Vereinsfunktionäre geben ihm in der Doku recht.
Axel Hellmann, Geschäftsführer von Eintracht Frankfurt glaubt, externes Geld könne womöglich kurzfristig helfen, die Vormachtstellung der Engländer auf dem Transfermarkt herauszufordern. "Dann brauchst du ständig wieder Frisches und noch Größeres", sieht der Fußballboss Probleme in langfristiger Perspektive: "Das ist der Ausverkauf der Bundesliga, und den halte ich für falsch."
"Keine Fantastereien und Selbstdarsteller": SGE positioniert sich gegen Investoren
Sein Amtskollege bei Union Berlin, Horst Heldt, sieht es ähnlich: "Da bin ich lieber in einer Verkaufsliga, aber kann selbst bestimmen, wie ich meinen Verein gestalten will, als dass irgendeiner in Amerika sitzt und keine Ahnung von Fußball hat und meint, er müsse die Vereinsfarben verändern oder den Klub neu benennen."
Der US-Investor John Textor vertritt naturgemäß eine andere Meinung. "Fußball ist der schnellste Weg, um eine Milliarde leidenschaftliche Kunden zu erreichen", umreißt der Geschäftsmann das finanzielle Potenzial. Er ist das Gesicht hinter dem Multi Club Ownership der Eagle Football Holdings. Dazu gehören unter anderem Olympique Lyon, Botafogo und in der Vergangenheit Crystal Palace. "Ich bin genau dieser leidenschaftliche Typ, der gerne in Deutschland investieren würde", outet sich Textor als "Eintracht-Frankfurt-Fan".
Eintracht-Präsident Mathias Beck schob dem auf "Bild"-Nachfrage jedoch energisch den Riegel vor - ganz unabhängig von 50+1. "Textor ist das beste Beispiel, warum Investoren kritisch gesehen werden und warum wir diesen Weg strikt ablehnen", positioniert er sich entschieden gegen den Einstieg des US-Amerikaners und generell von Investoren. Bei der Eintracht verfolge man klar den Kurs: "Keine Fantastereien und Selbstdarsteller."
Quelle: teleschau – der mediendienst