Die Kritik an Sahra Wagenknecht wächst. Bei "Markus Lanz" stichelte BSW-Politikerin Katja Wolf offen in Richtung ihrer Parteigründerin. Als der ZDF-Moderator mehr über den direkten Austausch mit Wagenknecht erfahren wollte, wurde er von Katja Wolf mit einer ehrlichen Aussage überrascht.
Am 6. September findet in Sachsen-Anhalt die Landtagswahl statt. Kurz vor dem Urnengang sorgte ausgerechnet BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht für Wirbel. Sie brachte einen parteiunabhängigen Ministerpräsidenten ins Spiel - notfalls auch mit Stimmen der AfD. Damit setzte Wagenknecht ihre Linie fort, die "Brandmauer"-Debatte neu zu drehen. Doch im BSW ist diese Haltung umstritten. Bei "Markus Lanz" nahm der Moderator gleich zu Beginn das spannungsreiche Verhältnis zwischen BSW-Politikerin Katja Wolf und der Parteigründerin ins Visier. Er wollte wissen: "Sie und Frau Wagenknecht, wie würden Sie dieses Verhältnis eigentlich beschreiben?"
Wolf antwortete ausweichend: "Wir würden nicht zusammen in den Urlaub fahren oder jeden Abend miteinander telefonieren." Lanz hakte prompt nach: "Wann haben Sie sie das letzte Mal gesprochen?" Nach kurzem Zögern erklärte Katja Wolf schließlich: "Vor dem Parteitag im letzten Jahr." Auf Lanz' Nachfrage präzisierte sie: "Am 26. April, wenn ich mich recht entsinne."
Der Moderator zeigte sich sprachlos: "Wow! Also vor anderthalb Jahren, ja?" Wolf nickte, schob aber hinterher, dass es Videokonferenzen gebe, die zum parteiinternen Austausch beitragen würden: "Also ich will jetzt keinen falschen Eindruck erwecken." Lanz blieb dennoch fassungslos: "Sie sprechen nicht direkt miteinander?" Die BSW-Politikerin antwortete knapp: "Selten." Lanz bohrte nach, ob sie bei einem Anruf von Wagenknecht ans Telefon gehen würde. Katja Wolf stellte klar: "Natürlich!"
"Warum rufen Sie sie nicht an?"
Der ZDF-Moderator konterte irritiert: "Warum rufen Sie sie nicht an?" Wolf begründete das knapp mit ihren Prioritäten: "Ich habe Thüringen im Fokus. Ich habe meine Aufgaben in Thüringen. Frau Wagenknecht ist Vorsitzende der Grundwertekommission im Moment." Lanz hielt jedoch dagegen: "Das ist die Gründerin Ihrer Partei!"
Auch Journalistin Anne Hähnig unterstrich, wie ungewöhnlich diese Distanz wirke: "Die Partei heißt noch 'Bündnis Sahra Wagenknecht'. Also es ist natürlich ungewöhnlich, da brauchen wir nicht drum herumreden." Wolf versuchte daraufhin, die Differenzen politisch zu erklären: "Wir haben unterschiedliche Politikansätze. Das ist deutlich geworden in den letzten Wochen und Monaten. Für mich bedeutet Politik, in Verantwortung zu gehen und etwas verändern zu wollen."
Lanz stellte daraufhin eine Frage, der Wolf sichtlich ausweichen wollte: "Wenn Sahra Wagenknecht antreten würde als Ministerpräsidentin in Thüringen, würden Sie sie wählen?" Die Finanzministerin Thüringens blockte ab: "Die Frage stellt sich nicht!" Doch Lanz ließ nicht locker: "Ich habe sie ja gerade gestellt." Wolf beharrte: "Für mich stellt sich die Frage nicht. (...) Wir haben in Thüringen eine absolut stabile Landesregierung."
Als Wolf weiter argumentierte, fiel ihr Lanz ins Wort: "Sie weichen der Frage aus!" Die Politikerin wiederholte: "Die Frage stellt sich nicht!" Erst als Lanz nochmals nachsetzte, sagte Wolf trocken: "Es gibt überhaupt keinen Grund, eine stabil und gut arbeitende Landesregierung infrage zu stellen. Warum sollte ich das tun?"