"Boulevard lebt von Zuspitzung" - Doch wo ist die Grenze?

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Bis es blutet
Wie weit geht Aga (Elisa Schlott), um an Informationen zu kommen?
Nicolai Mehring/ZDF
Bis es blutet
Im Spielfilm "Bis es blutet" gerät die junge Reporterin Aga (Elisa Schlott) in den Sog ihres eigenen Ehrgeizes.
Tatiana Vdovenko/ZDF
Bis es blutet
Aga (Elisa Schlott) und Thorsten (Franz Pätzold) sollen das Sommerloch mit einer Geschichte über das verschwundene Mädchen Vanessa füllen.
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Bis es blutet
Vanessas Freund Welat Nail (Francisco Akudike, Mitte) wird von den Journalisten unter die Lupe genommen.
Tatiana Vdovenko/ZDF
Bis es blutet
Eigentlich arbeitet Aga (Elisa Schlott) im Sportressort eines rechtskonservativen Online-Newsportals. Als in Hessen ein Mädchen spurlos verschwindet, wechselt sie ins Investigativ-Ressort.
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Bis es blutet
Meixner (Thomas Loibl, rechts) und sein Mitarbeiter Gert (Christoph Pütthoff) wollen eine spannende Story aus dem Vermisstenfall machen.
Tatiana Vdovenko/ZDF
Bis es blutet
Die Boulevardjournalisten Aga (Elisa Schlott) und Thorsten (Franz Pätzold) wollen in einem Vermisstenfall die "Extrameile" gehen.
Daniela Kaiser/ZDF

Was geschieht, wenn Boulevardjournalisten die "Extrameile" gehen? Im Spielfilm "Bis es blutet" gerät die junge Reporterin Aga (Elisa Schlott) in den Sog ihres Ehrgeizes. Um ein Gespräch mit den Eltern einer Vermissten zu führen und eine packende Story zu konstruieren, überschreitet sie Grenzen - bis sie die Kontrolle verliert.

Eigentlich arbeitet Aga (Elisa Schlott) im Sportressort eines Online-Newsportals. Doch als in Hessen ein Mädchen spurlos verschwindet, wechselt sie ins Investigativ-Ressort. Der Film "Bis es blutet", jetzt als Free-TV-Premiere bei ARTE im Programm, begleitet die ehrgeizige Journalistin und den abgebrühten Fotografen Thorsten (Franz Pätzold) und zeigt eindrucksvoll, welche zerstörerischen Folgen skrupelloser Boulevardjournalismus haben kann. "Willkommen in der Welt des Witwenschüttelns", begrüßt Zyniker Thorsten Aga, als sich die beiden auf den Weg nach Hessen machen. Ihre Aufgabe: das Sommerloch mit einer Geschichte über das verschwundene Mädchen Vanessa zu füllen. Um eine Story im Sinne des Boulevardjournalismus zu konstruieren, ist Aga bereit, auch auf moralisch fragwürdige Weise an O-Töne und Informationen zu gelangen.

Die "Extrameile" gehen

Tatsächlich gelingt es ihr, ein Gespräch mit der Mutter der Vermissten zu führen - mit fatalen Konsequenzen. Um ein Foto zu bekommen, auf dem die Mutter weint, schildert Aga grausame Szenarien, die Vanessa angeblich bereits durchlebt haben soll. Wer an dieser Stelle glaubt, herzloser kann es nicht mehr werden, irrt: Dies ist erst der Anfang dessen, wozu Aga fähig ist. "Boulevard lebt von Zuspitzung", verteidigt sie ihr skrupelloses Vorgehen.

Thorsten schlägt vor, Vanessas Freund Welat Nail (Francisco Akudike) genauer unter die Lupe zu nehmen. "Ich habe gesagt, dass mir Hautfarbe egal ist", entgegnet Aga auf die Frage, ob die Hautfarbe Welats bei ihrer Recherche eine Rolle spiele. "Unseren Lesern ist sie nicht egal", sagt sie und macht deutlich, dass sie für Klicks bereit ist, einen Verdächtigen zu konstruieren. Welche Konsequenzen das hat, wenn man im Boulevardjournalismus diese Art von "Extrameile" geht, ahnt Aga jedoch nicht.

Premiere beim Filmfest München

"Bis es blutet" wagt sich an ein sensibles Thema und legt schonungslos offen, mit welchen Methoden und Mechanismen populistische Berichterstattung arbeitet. Regie führte Daniel Sager, der mit "Hinter den Schlagzeilen" (2021) und "Erfundene Wahrheit - Die Relotius-Affäre" (2023) bereits zwei aufschlussreiche Dokumentarfilme über den Journalismus heutiger Tage drehte.

Sein Kinodebüt "Bis es blutet" feierte beim diesjährigen Filmfest München in der Reihe "Neues deutsches Fernsehen" Premiere. Gemeinsam mit Oskar Sulowski verfasste er das kluge Drehbuch zum Film. Ab Donnerstag, 04. Dezember ist "Bis es blutet" in der ARTE-Mediathek verfügbar.

Bis es blutet - Fr. 05.12. - ARTE: 20.15 Uhr

Quelle: teleschau – der mediendienst