Greta Gerwig liefert mit "Barbie" eine feministische Komödie und zeigt, dass Sozialkritik Spaß machen kann. Vor allem, weil Ryan Gosling mit von der Partie ist.
Viele Männer werden diesen Film nicht verstehen. Andere werden "Barbie", Greta Gerwigs filmische Hommage an die berühmteste Puppe der Welt, aus Prinzip nicht mögen. Sie werden die Geschichte vom pinken Plastik-Matriarchat als alberne Komödie abtun und dabei gänzlich übersehen, weshalb unzählige Frauen und Mädchen weltweit diesem Film derart viel Bedeutung beimessen. Nach der TV-Premiere 2025 holt RTL den Film nun erneut ins Programm.
Nein, "Barbie" ist kein Film für Männer - zumindest nicht für jene, die Gleichberechtigung für ein längst überflüssig gewordenes Anliegen des vorigen Jahrhunderts halten. Den meisten anderen dürfte der Ausflug in die unbedrohliche Parallelwelt namens Barbieland jedoch viel Freude bereiten.
Dort ist man sich sicher: Die Erfindung der Barbiepuppe veränderte alles. Barbie, so glauben die Bewohnerinnen und Bewohner von Barbieland, emanzipierte junge Mädchen rund um den Globus - und machte "die echte Welt" zu einem Paradies, in dem Frauen tun und lassen können, was sie wollen. Im Barbieland ist das Normalität: Barbies erhalten Nobelpreise, werden Präsidentinnen, sind Richterinnen am ausschließlich weiblich besetzten Supreme Court und sehen dabei in gewohnter Barbie-Manier auch immer noch enorm gut aus. Jede Barbie wird mit Respekt behandelt, jeder Konflikt wird hochdiplomatisch in Sekundenschnelle gelöst. Jeder Tag, jeder Augenblick im Barbieland ist perfekt.
Ryan Gosling als perfekter Bösewicht
Bevor sich angesichts derartiger Vollkommenheit Langeweile ausbreiten könnte, platzt die Blase. Und zwar gewaltig. Denn die mit Margot Robbie perfekt besetzte Heldin des Films, die "stereotype Barbie", denkt plötzlich ans Sterben. Ein "Riss im Kontinuum in der Membran zwischen Barbieland und der echten Welt" soll verantwortlich sein für diese komischen neuen Gedanken und andere unerwartete Störungen. Richten kann das nur die Margot-Barbie höchstpersönlich. Sie muss das Mädchen finden, das mit ihr spielt - das ist die Mission.
In die echte Welt begleitet wird Barbie, na klar, von Ken (Ryan Gosling). Wirklich dabei haben will Barbie den unsterblich in sie verliebten Blondling eigentlich nicht. Doch Ken beharrt darauf, Barbie nicht alleine reisen zu lassen. Schließlich müsse er, so erklärt er Barbie, den anderen Kens etwas beweisen. Er will sein Revier markieren, Barbie für sich haben. Bereits hier zeichnet sich ab, wer der (nicht ganz so heimliche) Star des Films ist. Denn Ryan Gosling ist der perfekte Ken, und Ken ist der perfekte Schurke. Während Barbie nach ihrer Ankunft in der Realität entsetzt ist über die Frauenfeindlichkeit, die ihr aus allen Richtungen entgegenschlägt, wähnt sich Ken im Eldorado. "Männer regieren die Welt!", stellt er begeistert fest - und holt kurzerhand das Patriarchat ins nun in "Kendom" umgetaufte Barbieland.
Man ahnt es schon: Kendom hat nur noch wenig mit der pastellfarbenen Utopie von Barbieland gemein. Klar, ist doch die neu etablierte Männerherrschaft in der Spielzeugwelt eine weitaus ungefährlichere und doch lebensnahe Karikatur der Wirklichkeit. Statt das Land zu regieren, darf sich Präsidentin Barbie (Issa Rae) nun also stundenlang von einem Ken anhören, weshalb "Der Pate" der beste Film aller Zeiten ist. Das einzige Ziel von Physikerin-Barbie (Emma Mackey) ist es fortan, den Kens in einem knappen Kleidchen eiskaltes Bier zu servieren. Und auch die Meerjungfrau-Barbie (Dua Lipa) hat plötzlich nichts Besseres zu tun, als ihren männlichen Gegenpart (John Cena) anzuschmachten. Die Gehirnwäsche hat funktioniert.
Hier ein bisschen Magie, da ein bisschen Gesellschaftskritik
"Entweder man ist gehirngewaschen - oder man ist schräg und hässlich", wird Gloria (America Ferrera), die Frau, die den Riss im Kontinuum überhaupt erst verursacht hat, diese Entwicklung treffend zusammenfassen, als sie und ihre Tochter Barbie bei ihrer Rückkehr in das nun weitaus weniger einladende Puppenland begleiten. Die bereits bestens mit dem Patriarchat vertraute Gloria ist es auch, die den Kern dieses eben doch sehr klugen Films auf den Punkt bringt: "Es ist im wahrsten Sinne unmöglich, eine Frau zu sein."