"Ich wusste nicht, wer ich bin"
In der Therapie setzt sie sich intensiv mit den Ursachen ihrer Angst auseinander. Schon früh sei ihr ein starkes Bedürfnis nach Selbstbestimmung wichtig gewesen. Hilfe anzunehmen bedeutet für sie oft auch das Gefühl von Abhängigkeit. "Ich glaube, dass es früher viele Momente gab, in denen ich in meiner Autonomie eingeschränkt war und zum Beispiel nicht die Dinge unternehmen konnte, die ich gerne mache."
Nach dem Abitur wurde sie direkt ins Berufsleben gedrängt. Doch dieser Weg entsprach nicht ihren eigenen Vorstellungen. "Ich wusste nicht, wer ich bin und was ich wirklich mag. Ich wollte eigentlich erst mal reisen, bisschen was sehen und ein bisschen was erleben." Auch der Wunsch, Physiotherapeutin zu werden, wurde ihr ausgeredet. Es sei "nur eine Ausbildung". Stattdessen wurde von ihr erwartet zu studieren und möglichst schnell erfolgreich zu sein.
Dieser Druck begleitet Vivien bis heute. Daniel Wagner arbeitet mit ihr daran, Angst, Unsicherheit und Sorge nicht zu verdrängen, sondern anzunehmen. Diese Gefühle würden sonst stärker werden. Sie dürften da sein, erklärt er, und das System beruhige sich, wenn man sie akzeptiert.
Auch ihre Partnerin Rosa, die im Theater arbeitet, spielt eine wichtige Rolle in ihrem Leben. "Sie ist ein so emphatischer Mensch und so verständnisvoll und urteilsfrei, was es sehr leicht macht, sie zu lieben." Rosa gibt Vivien den Raum, ihre Gefühle zu zeigen und auszuhalten.
Therapie-Abbruch während der Dreharbeiten
Als Kind beschreibt Vivien sich selbst als lebensfroh und mutig. Sie habe Dinge "gewagt" und sich wenig von der Meinung anderer beeinflussen lassen. Deshalb weiß sie, dass es auch Zeiten ohne Angst in ihrem Leben gab. Geplant ist deshalb ein stationärer Klinikaufenthalt. Während der Dreharbeiten bekommt Vivien schließlich einen Platz. Die Therapie mit Daniel Wagner wird dadurch vorzeitig beendet.
Über ein Videotagebuch dokumentiert sie ihre Gedanken weiter. "Es ist sehr viel. Also die letzten Tage ist super viel hochgekommen". Auch körperlich spürt sie die Belastung, unter anderem durch Bauchschmerzen und Erbrechen. Der Wunsch zu fliehen ist zeitweise stark, ausgelöst durch lange verdrängte Gefühle. Gleichzeitig zeigt sich in der Therapie eine Entwicklung. "Ich spüre, dass ich mehr Mut habe meinen Weg zu gehen und dass ich mir selber Vertrauen kann."
Nach der Zeit in der Klinik fühlt sie sich gestärkt, auch wenn sie sich nicht als geheilt beschreibt. "Ich denke nicht, dass das der Ansatz von einem Klinikaufenthalt sein sollte. Ich glaube, dass das ein stetiger Prozess ist".
"37°Leben: Facing Fear - Immer Angst" wird am Sonntag, 21. Juni, um 9.03 Uhr im ZDF ausgestrahlt und ist bereits jetzt in der Mediathek zu sehen.
Quelle: teleschau – der mediendienst